Eine alte Dame nimmt 10 Euro aus ihrer Geldbörse.

APA/HARALD SCHNEIDER

Salzburger Nachtstudio

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Regiogelder als Modell der Zukunft?
Gestaltung: Johannes Gelich

Sie heißen Sardex, Chiemgauer, Vorarlberger V-Taler oder Waldviertler: die sogenannten regionalen Komplementärwährungen. Das Modell der Alternativ-Währungen oder Regiogelder ist nicht neu: bereits im 12. Jahrhundert wurde das "Brakteatengeld" als Komplementärwährung eingeführt. Ziel dieser wie jeder anderen Alternativ-Währung war, ein Geldmittel zu schaffen, das schnell an Wert verlor. Durch ihre Zerbrechlichkeit waren die Münzen lediglich kurz einsetzbar und mussten oft neu geprägt werden, weswegen der Aufbau von Geldvermögen kaum möglich war.

Dadurch wurde das erarbeitete Vermögen schnell in Häuser oder Möbel investiert, der Wirtschaftskreislauf florierte und durch den Umlaufzwang des Geldes war eine stetige Nachfrage garantiert. Und auch in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise das " Wörgler Schwundgeld" erfunden. Der Bürgermeister Wörgls sah im langsamen Geldumlauf die Hauptursache der damaligen Wirtschaftsflaute. Das Geld wurde von einigen wenigen Reichen als Spekulationsmittel gehortet, anstatt es dem Warenverkehr zuzuführen.

Die Masse der Menschen blieb geldmittellos, die Nachfrage sank, weswegen die Preise fielen und die Arbeitslosigkeit stieg. Um einen weiteren Abschwung zu verhindern, führte man das Wörgler Schwundgeld als Zahlungsmittel ein, das auf sogenannten Arbeitsbestätigungen basierte. Eine steigende Nachfrage nach lokalen Waren und Dienstleistungen war die Folge, neue Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Und so verwundert es nicht, dass auch in der heutigen Zeit, wo Kapital aus den Regionen abfließt, Realeinkommen sinken und mit enormen Geldsummen spekuliert wird, Komplementärwährungen boomen. Das Ziel der Regiogelder, ob in Sardinien, im Waldviertel oder im Chiemgau, ist immer dasselbe: Nachfrage nach regionalen Produkten und Dienstleistungen erhöhen, Verhinderung von Finanz-Spekulationen, Stärkung der regionalen Wirtschaft und Sicherung des Wohlstandes der Bevölkerung.
Doch bergen derartige Alternativwährungen nicht auch die Gefahr der regionalen Abschottung und Abkehr von der europäischen Währungsunion?
Ein Salzburger Nachtstudio von Johannes Gelich

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