"Schande"-Schriftzug auf dem Wiener Luegerdenkmal

APA/ROLAND SCHLAGER

Wenn Denkmäler fallen: Eine saubere Geschichte?

Wer entscheidet eigentlich darüber, ob eine "Mohrenstraße" umbenannt werden muss oder eine Bismarck-Statue um- oder abgebaut wird?
Gestaltung: Cornelius Wüllenkemper

Vielerorts wird neuerlich verlangt, das öffentliche Gedenken an die Kolonialgeschichte umzugestalten und der Perspektive der Kolonisierten mehr Raum zu geben. In Nord- und Südamerika etwa wurden Statuen von Christoph Kolumbus attackiert. Im südenglischen Bristol holte eine aufgebrachte Menschenmenge das Denkmal des Kaufmanns und Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel und versenkte es im Hafenbecken. In Hamburg wiederum wehrt sich eine Bürgerbewegung gegen die Sanierung des großen Bismarck-Denkmals im Elbpark und fordert stattdessen die Aufarbeitung von Bismarcks Kolonialpolitik. Auch in Berlin verfolgen verschiedene Initiativen die Umbenennung von Straßen, deren Namen an die deutsche Kolonialgeschichte erinnern.
Kritiker monieren, die Forderungen nach einer neuen Gedenkkultur komme einer Säuberung der Geschichte von unliebsamen Erinnerungen gleich. Statt Denkmäler abzureißen und Straßen umzubenennen, müssten diese erklärt und in den zeitgeschichtlichen Kontext eingeordnet werden. Wie wie politisch Erinnerung immer ist, zeigt auch der Streit um eine kürzlich aufgestellte Gedenkskulptur in Berlin, die an das Schicksal der koreanischen "Trostfrauen" im Zweiten Weltkrieg erinnert.

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