Fjodor Michailowitsch Dostojewski

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Salzburger Nachtstudio

Spieler, Grenzgänger, Prophet: Fjodor Dostojewski

Gestaltung: Brigitte Voykowitsch

Zum 140. Todestag des russischen Schriftstellers. Am Ende seines Lebens wurde Fjodor Dostojewski von seinen Anhängern als Prophet und göttlich inspirierter Schriftsteller gefeiert. Heute betrachten ihn die allermeisten Literaturhistoriker als einen der bedeutendsten Autoren nicht nur Russlands, sondern der Weltliteratur insgesamt. Die kritischen, teils bösartigen Stimmen sind freilich nie verstummt. Dostojewski hat stets polarisiert. "Immer und in allem gehe ich bis an die äußersten Grenzen": So lautete die Selbsteinschätzung des Autors, der von 1821 bis 1881 lebte. Somit jährt sich 2021 sein Geburtstag zum 200. Mal und sein Todestag am 9. Februar zum 140. Mal.

"So wie Dostojewskij die kulturellen Krisen Russlands und Europas im 19. Jahrhundert literarisch auf den Punkt gebracht hat, treffen seine Werke noch immer wunde Punkte unserer (post)modernen Welt: das Verhältnis von Wissen und Glauben, von Leib und Seele, von Individuum und Gesellschaft, von Gesellschaft und nationaler und transnationaler Identität, um nur einige zu nennen", erklärt der Dostojewski Biograf Andreas Guski die aktuelle Relevanz des Schriftstellers.

Die menschliche Seele - mit ihren erhabenen Regungen und tiefsten Abgründen - war eines der zentralen Themen, das Dostojewski sein Leben bewegte. Schon in seinem ersten Roman "Arme Leute" eröffnet er psychologische Dimensionen, die er später in seinen großen Werken "Schuld und Sühne", "Der Idiot", "Die Dämonen" und "Die Brüder Karamasow" in immer neuen Facetten ausbaut. Verbrechen und der Umgang mit der eigenen Schuld spielen dabei eine gewichtige Rolle.

Die Welt der Verbrecher kannte Dostojewski dabei aus eigener Anschauung. Wegen seiner Teilnahme an einem revolutionären Zirkel, wie es sie damals in großer Zahl gab, wurde er im Alter von 27 Jahren verhaftet und nach einer Scheinhinrichtung zu vier Jahren Lagerhaft und anschließender Verbannung in Sibirien verurteilt. Erst nach einem Jahrzehnt durfte er wieder nach St. Petersburg zurückkehren.

Die Erfahrung im Straflager veränderte Dostojewski nachhaltig. Er konnte sie mit "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus" zwar zu einem neuen literarischen Erfolg verarbeiten. Doch sein Leben war weiterhin geprägt von extremen Höhen und Tiefen, von seiner epileptischen Krankheit, von persönlichen Verlusten und materiellen Krisen. Seine ständige finanzielle Not linderte sich erst gegen Ende seines Lebens.

Service

Andreas Guski,
Dostojewskij: Eine Biographie
C.H.Beck-Verlag

Sendereihe

Gestaltung

  • Brigitte Voykowitsch