Fanny Mendelssohn-Hensel

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Radiokolleg - Jobprofil: Komponistin

Wendepunkte, Identitäten und Selbstbilder (1). Gestaltung: Marie-Therese Rudolph

Schon längst sind Komponistinnen aus dem Schatten ihrer Kollegen herausgetreten, zumindest was die Qualität ihrer Arbeit betrifft. Sichtbar und vor allem hörbar werden ihre Beiträge zum zeitgenössischen Musikschaffen immer noch nicht im selben Ausmaß. Noch zu oft sind sie - im Sinne einer verstärkten öffentlichen Aufmerksamkeit - in Frauen-Schwerpunkten isoliert. Trotzdem sind diese ein wichtiger Schritt, um die Sichtbarkeit und Bekanntheit zu erhöhen, damit die Werke von Komponistinnen zu einem selbstverständlichen Teil von inhaltlich konzisen Veranstaltungsprogrammen werden.

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März stehen Porträts zeitgenössischer Komponistinnen im Mittelpunkt der Sendereihe, die darin selbst ausführlich zu Wort kommen. Anhand richtungsweisender Entscheidungen im Verlauf ihres Lebens werden Wendepunkte beleuchtet, Motivationen hinterfragt und relevante Wegbegleiterinnen und -begleiter festgemacht. Welche Situationen wurden als Hürden empfunden, die es zu überwinden galt, welche Zeiten als Krise oder Orientierungsphase? Etablierte Komponistinnen der älteren Generation sind genauso vertreten wie jene der jüngeren, manche Herausforderungen sind dieselben, andere nach Jahrzehnten kaum mehr nachvollziehbar. Wie hat Identitätsfindung stattgefunden und ist diese jemals abgeschlossen? Welches Selbstbild ist der Karriere förderlich und wie beeinflusst sind erfolgreiche Komponistinnen darin von ihrer Umwelt? An welchen Role models haben sie sich orientiert?

Blickt man zurück in der Musikgeschichte, ist es heute kaum nachvollziehbar, unter welchen Bedingungen Komponistinnen ihrem künstlerischen Schaffen nachgehen mussten: Nicht selten konnten sie ihre Werke nur unter Pseudonym, oder wie im prominenten Fall von Fanny Hensel (1805-1847), die sich dem Willen ihres Vaters entsprechend, ihrer Laufbahn als Pianistin widmen musste, und keinesfalls jener als Komponistin. Einige Stücke veröffentlichte sie dann unter dem Namen ihres Bruders, Felix Mendelssohn Bartholdy.
Das Komponieren war auch im 20. Jahrhundert kein Beruf, von dem Frauen leben konnten und in dem sie die ihnen gebührende Anerkennung erfuhren. Das blieben Ausnahmeerscheinungen, die zumeist mit dem gesellschaftlichen Stand und den persönlichen Beziehungen zu tun hatten. Lili Scheidl-Hutterstrasser etwa wurde 1914 in einer Zeitung konstatiert, dass sie eine "schon seit Jahren kompositorisch" tätige und "von Erfolg zu Erfolg" schreitende Künstlerin sei, doch dann folgt der heutzutage untragbare Hinweis, dass sie zu jenen gehöre, "die auf Beachtung Anspruch haben, ohne bloß auf Galanterie angewiesen zu sein".

In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Erforschung der weiblichen Musikgeschichte viel getan, nun gilt es, diesen Erkenntnissen und vor allem den Protagonistinnen in der gegenwärtigen Musikkultur Raum zu geben.

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  • Marie-Therese Rudolph

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