Auf einer Hand steht #Me Too.

AFP/BERTRAND GUAY

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Die dunkle Seite der Medienmacht

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Die dunkle Seite der Medienmacht
Es gibt Dinge in der Medienbranche, über die nicht gern geredet wird. Sexuelle Belästigungen von Journalistinnen in Redaktionen und bei Recherchen gehören da dazu. Der Fall des Chefredakteurs der deutschen "Bild"-Zeitung, der wegen entsprechenden Vorwürfen kurzzeitig beurlaubt worden war, und ein laufender Prozess wegen sexueller Belästigung durch einen Verleger in Wien werfen ein Schlaglicht auf diese dunkle Seite der Medienmacht.

Übergriffe und ein lautes Schweigen

Wer glaubt, dass sexuelle Belästigung in österreichischen Medien ein Gespenst aus der Vergangenheit ist, der irrt. Ein bekannter Medienmanager entlässt eine Moderatorin, nachdem sie ihm vorwirft, sie sexuell belästigt zu haben. Jetzt führt er aktuell einen Prozess gegen sie, weil er will, dass die Frau die Vorwürfe unterlässt. Sie wehrt sich. Die Medienbranche berichtet zu vorsichtig über den Fall, meinen Juristen. #doublecheck nimmt den Prozess zum Anlass, unter Journalistinnen nachzufragen, ob und wie sie sexuelle Belästigung im Job erleben. Fast jede Kollegin hat etwas zu erzählen, oft sind es nur kleine Bemerkungen, die viel auslösen. Meist geht es um Macht und Abhängigkeiten. Und meistens reden die Frauen lieber nicht darüber, aus Scham und Angst. Und so macht man ausgerechnet Journalistinnen mundtot. Wann bricht die #metoo-Bewegung in Österreich dieses laute Schweigen?

Wenn Tabubrüche Klicks bringen sollen

Geschwiegen wird - freilich zu Recht - auch über andere prominente Medienleute, die sich etwas zu Schulden kommen haben lassen. Es gilt der Persönlichkeitsschutz, und der ist ein hohes Gut. Neue Online-Medien brechen dieses Schweigen jetzt immer öfter - in der Hoffnung auf Klicks und um sich als frisch und unverbraucht, quasi als der Hecht im Karpfenteich der "alten Medien" zu profilieren. Dabei sind einige dieser Websites so parteinah, dass von einer Renaissance der uralten Parteimedien gesprochen wird. #doublecheck hat sich durchgeklickt und bringt Beispiele der Berichterstattung.

Das Produkt einer Vernachlässigung

Während der rechte und der linke Boulevard fröhliche Urständ feiern und immer tiefer werden, kämpft das Qualitätsblatt "Wiener Zeitung" ums Überleben. Die Pflichteinschaltungen von Unternehmen, die die wirtschaftliche Basis der Zeitung darstellen, werden spätestens im kommenden Jahr endgültig wegfallen. Die älteste Tageszeitung der Welt, die im Eigentum der Republik steht, ist vor dem Aus. Ideen für einen behutsamen Übergang zu einem neuen Geschäftsmodell hat es schon vor Jahren gegeben, doch die Politik hatte kein Interesse und keinen Sinn dafür. Die Dokumentation einer medienpolitischen Vernachlässigung.

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