Vieraugenfische

GÜNTHER HULLA

Vom Leben der Natur

Vieraugenfische - Meister des Sehens

Tiere mit Rundumblick.
Der Zoologe Michael Köck über die Vieraugenfische.
Teil 1: Arten und Habitate
Gestaltung: Julia Grillmayr

"Es ist sehr einprägsam, wenn man einer Gruppe von Vieraugenfischen begegnet", sagt Michael Köck. Man sieht eine Menge kleiner Kügelchen, die an der Wasseroberfläche schweben. Die Fische der Gattung Anableps haben eine große Schwimmblase und halten sich immer oberflächennahe auf, wobei ihre Augen ein stückweit aus dem Wasser ragen - was ihnen auch ihren Namen eingebracht hat. Tatsächlich haben auch die Anableps nicht vier, sondern nur zwei Augen, die allerdings vier Bilder generieren. Dort, wo das Auge aus dem Wasser ragt, ist die Iris zusammengewachsen, was es den Fischen erlaubt, sowohl unter als auch ober Wasser zu sehen. Da das Licht an der Luft anders gebrochen wird als im Wasser, ist die Hornhaut ihrer Augen oben dicker und unten dünner. So sehen sie alle vier Bilder scharf und gleichzeitig. Was man dabei auch beachten muss: "Das Gehirn des Vieraugenfisches muss diese vier Teile verarbeiten und zusammensetzen können", sagt Köck - das sei eine Meisterleistung.

Eine weitere Besonderheit der Gattung Anableps ist ihre Fortpflanzung. Die Vieraugenfische sind lebendgebärend; die Jungtiere wachsen im Bauch der Mutter heran und werden von einem Dottersack ernährt. Kurioser ist die Paarung selbst: Das Männchen entwickelt aus seiner Analflosse eine Art Penis, mit Hilfe dessen das Weibchen befruchtet wird. Dieser Penis bildet sich entweder links oder rechts aus. Nun sind aber auch die Schuppen des Weibchens entweder nur links oder rechts für die Paarung "offen", was bedeutet, dass sich allein ein gegengleiches Paar auch paaren kann. Das nimmt die Wissenschaft zumindest an. Diese Hypothese gibt es seit dem 18. Jahrhundert, allerdings wurde sie nie zweifelsfrei überprüft.

Ansonsten sind die Vieraugenfische, vor allem ihre besondere Anatomie des Auges, besonders gut erforscht, wie Michael Köck erklärt. Für manche biologische Fragestellungen, wie etwa Gruppenbildung und Territorialität, dienten sie sogar als Modellorganismen. Die Fische leben im Brackwasser, wo sich süßes Fluss- und Meerwasser mischt. Sie kommen in Südamerika sowie an der mittelamerikanischen Pazifikküste vor, wo sie schlammige Küstengebiete oder seichte Gezeitenbereiche von Mangroven-Wäldern bewohnen. In diesem Lebensraum zahlt sich der Rundumblick aus. Unter Wasser hält der Vieraugenfisch nach Futter Ausschau, das er mit seinem breiten Maul abgrasen kann, ober Wasser behält er Möwen und Greifvögel im Blick, um rechtzeitig ins offene Wasser fliehen zu können.




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GESPRÄCHSPARTNER:
Mag. Michael Köck
Haus des Meeres
Kurator für Süßwasser, Vögel und Säuger

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