Ö1 Kunstsonntag: Milestones

Irène Schweizer: "Hexensabbat" (1978)

Zum 80. Geburtstag von Irène Schweizer

Die in Schaffhausen geborene Irène Schweizer war die erste europäische Frau, die als Jazzpianistin Soloplatten einspielte. "Hexensabbat", vorgelegt 1978 bei der Berliner Musikerinitiative "Free Music Production" (FMP), war eine Pioniertat und beeindruckte als musikalisches Ideen-Feuerwerk. Acht Stücke fanden sich auf dem Album, zwei davon ("Hexensabbat" und "Rapunzel ... Rapunzel ...!") wurden live bei einem Konzert im Rathaus von Charlottenburg in Berlin aufgenommen. Die restlichen sechs - sehr konzentrierte, stark strukturierte Pianostücke - entstanden im Studio.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme, im Oktober 1977, war die Spielweise der damals 36-jährigen Irène Schweizer voll ausgereift, ihre Einflüsse unüberhörbar: Diese reichten von John Cage über Thelonious Monk und Cecil Taylor bis zur Musik Südafrikas, weitere Inspirationen für ihre freien Improvisationen kamen von Avantgardemusikern wie Don Cherry, John Tchicai und Ornette Coleman.
"Hexensabbat" ist indessen auch als außermusikalisches Statement zu hören und zu verstehen. Irène Schweizer war zum damaligen Zeitpunkt in der Frauenpolitik aktiv: "Es war für mich sehr wichtig, mein Engagement in der Politik und in der Musik nicht zu trennen. Beide hingen miteinander zusammen, beide hatten die gleichen Wurzeln und waren Ausdruck eines neuen Kultur- und Lebensverständnisses."
Eine Sendung zu Irène Schweizers 80. Geburtstag am 2. Juni 2021.

Gestaltung: Marlene Schnedl

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