Grafik, menschliches Herz und Blutgefässe

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Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Aortariss - Wenn jede Sekunde zählt

Wenn ein Aneurysma der Aorta platzt, führt das sehr rasch zum Tod. Da dauert der Weg in den OP meist zu lange. Auch der Sportmoderator Edi Finger jun. ist vor kurzem an so einer Ruptur verstorben. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist von solchen Gefäßaussackungen der Hauptschlagader betroffen. Am häufigsten treten die Aneurysmen im Brust- und Bauchbereich auf. Etwa 4.000 bis 5.000 Personen in Österreich müssten eigentlich pro Jahr behandelt werden. Ein großes Problem: Viele wissen gar nicht, dass sie eine Erweiterung der Hauptschlagader haben. Denn Warnzeichen gibt es kaum. Kommt es zu druckhaften Schmerzen im Bauch, der Lendenwirbelsäule oder dem Brustkorb, sind die Aussackungen schon sehr groß und eine tickende Zeitbombe. Es könnte jederzeit zu einem Riss kommen.

Kein Risiko eingehen

Die Risikogruppe kann relativ genau definiert werden: Männer über 65 Jahre, mit Bluthochdruck, die rauchen, Fälle von Gefäßerweiterungen in der Verwandtschaft haben oder an einer Bindegewebserkrankung (z.B. Marfan-Syndrom) leiden. Den oberen Abschnitt der Aorta kann man am besten mittels einer Computertomographie erkennen. Ao. Univ.-Prof. Dr. Marek Ehrlich, Facharzt für Herzchirurgie und Leiter des Aneurysmen-Programmes an der Abteilung für Herzchirurgie an der Universitätsklinik Wien, rät jedem ab dem 50. Lebensjahr zumindest einmal eine Computertomographie durchführen zu lassen, um zu wissen, ob die Hauptschlagader erweitert ist oder nicht. Treffen die genannten Risikofaktoren zu, dann sollte dies unbedingt schon zu einem früheren Zeitpunkt, also zwischen 40 und 45 Jahren, erfolgen.

Früherkennungsprogramm fehlt

Auch Prim. Priv.-Doz. Dr. Afshin Assadian, Facharzt für Gefäßchirurgie und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie, betont die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnose. Er setzt sich für ein Screening ein. Der untere Abschnitt der Aorta lässt sich am einfachsten mittels eines Bauchultraschalls erkennen. In einigen anderen Ländern, zum Beispiel Deutschland, ist diese Vorsorgeuntersuchung ab dem 65. Lebensjahr kostenlos. Auch die chirurgische Fachgesellschaft und die Gesellschaft für Radiologie machen seit Jahren darauf aufmerksam. Denn es würde Leben retten und wäre auch kosteneffizient. Studien zeigen, dass einerseits weniger Menschen an Aneurysmen versterben und andererseits das Gesamtüberleben höher ist. Denn durch ein bevölkerungsweites Screening können auch jene Menschen, abseits der klassischen Risikogruppe, gefunden werden, die bereits eine Gefäßerweiterung haben.

Aneurysmen erfordern genaue Beobachtung

Wurde nun ein Aneurysma entdeckt, ist es wichtig, zunächst mittels einer Lebensstil-Änderung das Risiko einer Ruptur zu reduzieren. Außerdem werden die Aussackungen regelmäßig kontrolliert. Bei Aneurysmen in der Bauchaorta wird ab einer Größe von fünf Zentimetern, bzw. wenn kleinere Aneurysmen jährlich um 0,5 cm wachsen, operiert.
Bei den Aussackungen im Brustbereich ist die Entscheidung von mehreren Faktoren abhängig - aber auch hier ist der Durchmesser der wichtigste Parameter. Aneurysmen im aufsteigenden Teil der Aorta werden meist mittels einer Operation am offenen Brustkorb durchgeführt. Dabei wird der erweiterte Teil der Hauptschlagader herausgeschnitten und mit einer Gefäßprothese ersetzt. Im absteigenden Teil der Aorta gibt es die Möglichkeit endovaskulär vorzugehen. Stentprothesen werden dann über die Leistenarterie eingeschoben.

Lebensgefährliche Zerschichtung der Aortenwand

Neben Aneurysmen kann es auch noch andere Gründe für einen Aortariss geben, zum Beispiel eine Aortendissektion. Bei dieser gefährlichen Schädigung der Hauptschlagader spalten sich die Schichten der Aortenwand auf. Dadurch löst sich die Innenwand der Aorta von der Mittelschicht der Wand und das Blut verteilt sich dazwischen. Es kommt zu einem thorakalen, nach vorne oder in den Rücken ausstrahlendem Schmerz, ähnlich wie beim Herzinfarkt. Auch hier ist höchste Eile geboten.

In der neuesten Ausgabe des Radiodoktors spricht Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos mit ihren Gästen über Risikogruppen, Früherkennung und Therapiemöglichkeiten in Hinsicht auf Aneurysmen der Aorta.

Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos
Sendungsvorbereitung: Lydia Sprinzl, MA
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Ist in Ihrer Familie jemand von einem Aneurysma betroffen?

Haben Sie schon einmal eine Computertomographie des Brustraums oder einen Ultraschall des Bauchraums durchführen lassen?

Gehören Sie zur Risikogruppe?

Würden Sie ein Früherkennungsprogramm in Anspruch nehmen, wenn es das in Österreich geben würde?

Haben Sie die Diagnose einer Gefäßerweiterung erhalten und befinden sich in Behandlung? Wie geht es Ihnen damit? Welche Maßnahmen waren bei Ihnen nötig?

Service

Studiogast im Funkhaus Wien:

Prim. Priv.-Doz.Dr. Afshin Assadian
Facharzt für Gefäßchirurgie & endovaskulärer Spezialist, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie, Leiter der Gefäßchirurgie der Klinik Ottakring, Abteilung für Chirurgie mit Schwerpunkt Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie
Montleartstraße 37
A-1160 Wien
Tel.: +43 1 49150 4107 oder +43 1 49150 4108
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Gast am Telefon:

Ao. Univ.-Prof. Dr. Marek Ehrlich
Facharzt für Herzchirurgie, Leiter des Aneurysmenprogramms an der Abteilung für Herzchirurgie an der Universitätsklinik Wien
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Tel.: +43 (0)1 40400 - 56200 oder 56300, +43 (0)1 40400 - 5262 oder 52630 (ab 15:30)
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Weitere Anlaufstellen und Infolinks:

Österreichische Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Aneurysmaambulanz AKH Wien
Gefäßforum Österreich: Aneurysma
Gesundheit.gv.at: Aneurysma der Aorta
Universitätsklinik für Herzchirurgie: Fragen und Antworten zu Aortenaneurysmen
Patienteninformation.de: Bauchaortenaneurysma - Veränderungen früh erkennen
Kurier: Damit die Aorta nicht platzt: Experten fordern Screening
NDR: Aortendissektion: Schnelles Handeln wichtig
Patienteninformation.de: Marfan-Syndrom - was ist das?

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