Bewaffnete Zivilisten in Barcelona, 1936

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Radiokolleg - Der spanische Bürgerkrieg

Vorspiel zum Weltenbrand (4). Gestaltung: Michael Liensberger, Robert Weichinger

Als am 18. Juli 1936 ein von langer Hand geplanter Militärputsch den Spanischen Bürgerkrieg auslöste, war Spanien ein gesellschaftlich zerrissenes Land. Schon während des 19.Jahrhunderts gab es in dem Land auf der iberischen Halbinsel immer wieder blutige Auseinandersetzungen. Der Verlust der Kolonien erschütterten Regierung und Gesellschaft gleichermaßen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Spanien ein Land mit teilweise feudalen Strukturen auf der einen Seite, Verelendung und Pauperismus auf der anderen. Immer wieder irritierten Autonomiebestrebungen verschiedener Regionen das schwach entwickelte Identitätsbewusstsein.

Es begann mit Streiks und Anschlägen, gefolgt von einer vom König gebilligten Diktatur; diese scheiterte kläglich. Der König ging 1931 ins Exil, und eine linke Regierung übernahm die Amtsgeschäfte in der neu ausgerufenen Republik. Sie hielt sich nur zwei Jahre, die Rechten gewannen vorgezogene Neuwahlen, doch 1936 konnten wieder die Linken die Wahl gewinnen.

Das war der Auslöser für den lange zuvor geplanten Putsch, der einen knapp dreijährigen, mit großer Brutalität geführten, Bürgerkrieg auslöste. Die ideologischen Risse gingen quer durch die Familien, und - anders als etwa in Österreich (1934) - waren auch die beiden Hauptlager tief in sich selbst gespalten und rieben sich gegenseitig auf. Die Putschgeneräle unter der Führung von Francisco Franco profitierten davon, dass sie von Hitler und Mussolini militärisch und von weiten Teilen der Kirche ideologisch unterstützt wurden. Auf Seiten der Linken kämpften Internationale Brigaden, darunter auch viele Österreicher, ausgerüstet von Stalins Sowjetunion.

Der Spanische Bürgerkrieg lässt sich auch als Testfall für die militärische und ideologische Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und Faschisten verstehen, die zum Zweiten Weltkrieg führte.

Am 28. März 1939 kapitulierte Madrid, einen Tag später Valencia, wohin sich eine provisorische linke Regierung zurückgezogen hatte; knapp davor war Katalonien gefallen. Aber schon am 27. Februar 1939 hatten Großbritannien und Frankreich die faschistische Franco-Regime anerkannt.

Die vielen Risse, die der spanische Bürgerkrieg in der Gesellschaft hinterließ, sind auch heute noch spürbar.

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Bücher:

Hans Landauer und Erich Hackl, Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936-1939. Theodor Kramer Gesellschaft 2003.
Antony Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg - 1936-1939. Pantheon 2016
Carlos Seidel, Der Spanische Bürgerkrieg - Geschichte eines europäischen Konflikts. Beck'sche Reihe 2010
Jakob Matscheko, Auf Francos Seite - Österreicher in den Reihen der Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg. Pro Media 2015.
Werner Abel und Enrico Hilbert, Sie werden nicht durchkommen - Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution. Verlag Edition AV 2015
Winston Churchill, Der Zweite Weltkrieg: Mit einem Epilog über die Nachkriegsjahre. Fischer Taschenbuch 2003

Links:

Spanienarchiv im Archiv des Österreichischen Widerstandes
Hans Landauer: 60 Jahre Spanischer Bürgerkrieg - Internationalismus und Antifaschismus der Tat

Musik:

No Pasarán, Canciones de Guerra Contra el Fascismo. Pi de la Serra & Carme Canela 2014
Canciones de Lucha, 1936-1939. Songs of battle. Dahiz 2001

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