Gerhard Rühm

APA/GEORG HOCHMUTH

Radiokolleg

Radiokolleg - Positionen in der Kunst

Fischli/Weiss, Gerhard Rühm, Atta Kwami, Kiki Kogelnik (2). Gestaltung: Barbara Eder, Thomas Mießgang, Christine Scheucher

Gerhard Rühm - Zwischen Zufall und Ordnung
Der Schriftsteller, Komponist und bildende Künstler Gerhard Rühm, geboren 1930 in Wien, gehört zu den bedeutendsten Figuren der österreichischen Nachkriegskunst. Schon in den 1950er Jahren war er ein Habitué der damaligen Avantgarde-Szene: Er verkehrte neben Leuten wie Friedrich Cerha und Helmut Qualtinger im Strohkoffer, einem Künstlerlokal im 1. Bezirk.

Er gründete mit HC Artmann, Konrad Bayer, Oswald Wiener und Friedrich Achleitner die Wiener Gruppe, die an die von den Nazis verfemte Moderne Anschluß suchte und Lautgedichte, visuelle Poesie sowie Dialektlyrik produzierte - immer mit einer gewissen Lust an der Provokation und an einem epater la bourgeoisie.

Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben sind die beiden literarischen Kabaretts , in denen die Gruppe ein protodadaistisches Spektakel zwischen Sinn uns Sinnlosigkeit zelebrierte und am Höhepunkt das Aberwitzes mit der Axt ein Klavier zerhackte - was im bildgungsbürgerlich geprägten Wien als Akt des schamlosen Vandalismus gegeisselt wurde.

Nach der Auflösung dieser Boygroup der österreichischen Avantgarde in den 1960er Jahren machte Gerhard Rühm als Solokünstler weiter, der sich bis heute jeder kategorialen Einordnung verweigert. Seine Arbeiten sind im Grenzbereich von Musik, Sprache, Gestik und Visualisierungen aller Art angesiedelt - zwischen Kunstpostkarten und Collagen. Seine Hör-Produktionen sind herausragende Beispiele für das Neue Hörspiel und die Akustische Kunst.

"Aus expressiven und unmittelbar bedeutsamen Botschaften macht Rühm sich nichts," schreibt der Literaturwissenschaftler Michael Fisch, der seit 2005 seine Gesammelten Werke herausgeibt, "eher hält er es mit nahezu minimalistischen Strategien, wobei er den Zufall neben der Ordnung bestehen lässt."
Gestaltung: Thomas Mießgang

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