Ein jüdisches Baby kurz vor seiner Beschneidung.

AFP/ MENAHEM KAHANA

Praxis - Religion und Gesellschaft

Kind Gottes! - Religiöse Erziehung im Wandel

"Kindstaufe und Beschneidung" - Darf man Kinder heute noch religiös erziehen? +++ Werte auf der Schulbank - Religions- und Ethikunterricht im Wandel +++ Moschee statt Kirche - Religiöse Kindheitserfahrungen von Migrantinnen und Migranten

1. "Kindstaufe und Beschneidung" - Darf man Kinder heute noch religiös erziehen?

Ist die religiös motivierte Beschneidung eines jüdischen Buben als Körperverletzung zu werten? Verstößt das Kopftuch eines muslimischen Mädchens gegen das Kindeswohl? Sollten Kinder grundsätzlich vor früher religiöser Prägung, wie sie etwa auch die christliche Kindstaufe darstellt, geschützt werden? Eltern haben keine unbegrenzte Verfügungsmacht über die körperliche Unversehrtheit ihrer Kinder. So dürfen sie ihrem Sprössling zum Beispiel eine lebensnotwendige Bluttransfusion nicht verweigern, nur weil sie dies als Zeugen Jehovas traditionell ablehnen. Ebenso ist eine elterliche Zustimmung zur Beschneidung eines Mädchens, die treffender als Genitalverstümmelung bezeichnet wird, rechtlich unwirksam, weil sie dem Wohl des Kindes offensichtlich zuwiderläuft. Andererseits gehört zum Elternrecht die Erziehung, also die Sorge für die seelische und geistige Entwicklung einschließlich der religiösen und weltanschaulichen Erziehung der eigenen Kinder. Ist die Idee, Kinder in religiösen Angelegenheiten als "tabula rasa" zu erhalten und möglichst nicht vor der eigenen Religionsmündigkeit zu prägen, damit sie später frei über die eigene Religionszugehörigkeit entscheiden können, vom entwicklungspsychologischen und religionssoziologischen Standpunkt überhaupt durchführbar? Wie weit gehen Kinderrechte, Elternrechte und Religionsfreiheit? "Praxis" fragt nach bei Jurist/innen, Religionssoziolog/innen und Entwicklungspsycholog/innen. - Gestaltung: Alexandra Mantler


2. Werte auf der Schulbank - Religions- und Ethikunterricht im Wandel

Nach langen Diskussionen hat der Nationalrat am 20. November 2020 den Ethikunterricht ab der 9. Schulstufe für all jene Schüler/innen beschlossen, die keinen Religionsunterricht besuchen oder ohne Religionsbekenntnis sind, während der reguläre Religionsunterricht aufrecht bleibt. Schon seit den 1990er-Jahren werden Ethik-Schulversuche durchgeführt, zuletzt an einem Drittel aller Schulstandorte der Sekundarstufe. Religion sei Privatsache und habe an der Schule nichts verloren, meinen Kritiker. Die Beschäftigung mit existenziellen Fragen, Transzendenz, einem friedlichen Zusammenleben und unterschiedlichen Weltanschauungen sei für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ebenso nötig wie Mathematik und Physik, meinen hingegen Befürworter der religiösen Bildung und Wertevermittlung an den Schulen. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass das Schulfach Religion - ob katholisch, evangelisch, muslimisch oder buddhistisch etc. - gelehrt wird? Wie sieht zeitgemäßer Religionsunterricht heute aus? Wie "wertneutral" kann oder soll der Ethikunterricht sein? Welche Erfahrungen machen Kinder und Jugendliche heute mit der religiösen und ethischen Bildung in der Schule? - Gestaltung: Lena Göbl


3. Moschee statt Kirche - Religiöse Kindheitserfahrungen von Migrantinnen und Migranten

Kindheit heißt für jede und jeden etwas anderes - gute oder schlechte Erinnerungen kommen hoch, unterschiedlichste Erfahrungen. In religiöser Hinsicht waren viele Kindheiten in Österreich aber christlich geprägt, sei es in positiver oder in negativer Hinsicht. Nicht so bei einer großen Zahl von Migrantinnen und Migranten: Wie sind Menschen religiös aufgewachsen und geprägt worden, die als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter beispielsweise aus der Türkei nach Österreich gekommen sind? Oder - in jüngerer Vergangenheit - als Geflüchtete aus Bosnien, Syrien, Afghanistan? Inwiefern unterscheiden sich diese Kindheitserfahrungen von jenen ihrer Kinder und Enkel, die bereits in Österreich geboren wurden? - Gestaltung: Kerstin Tretina

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