Überschwemmungen

APA/HELMUT FOHRINGER

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Klima-Journalismus lauwarm

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Ein Sommer der klima-bedingten Wetter-Extreme: Dutzende Flut-Tote in Deutschland, Überschwemmungen auch bei uns, Flächen-Waldbrände bis an den Stadtrand von Athen im Süden, in Kanada verglüht das Dorf Lytton nach nie dagewesenen Rekordtemperaturen in einem Flammeninferno. Viele Medien scheinen den Ernst der Lage immer noch nicht sehen zu wollen, aber woran liegt das? #doublecheck ist der Frage nachgegangen, und die Erkenntnis ist so einfach wie erschreckend: Zu viele verstehen die Komplexität der Klimakrise noch nicht.

Bikinischönheiten als Hitzeschild

Noch immer werden Berichte über Hitze-Rekorde mit schönen Frauen im Bikini oder Menschen, die am Strand chillen, bebildert. Zur Macht der Bilder kommt die Macht der Sprache, auf dem Zeitungsboulevard bisweilen sogar zu Fake News verzerrt: Wenn etwa in Zweifel gezogen wird, dass das veränderte Klima die Ursache etwa für Flutkatastrophen sei - was ernstzunehmende Wissenschafter nicht behaupten. Die Klimakrise begünstigt jedoch solche Wetterereignisse. Ob Flut oder Hitze, das wird jetzt einfach immer öfter vorkommen. Die Politiker drücken sich um Klartext in dieser elementaren Frage herum, die Medien haben daran oft ihren Anteil, wie man in der Endphase des deutschen Bundestags gut beobachten kann.

Redaktionen brauchen Kompetenz

Wie reagieren die Redaktionen auf die Herausforderung der Klima-Berichterstattung? Manche gar nicht, die schicken immer noch unerfahrene Nachwuchskräfte zu wichtigen Interview-Terminen, wie die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb aus leidvoller Erfahrung weiß. Andere Redaktionen rüsten auf, der "Falter" hat ein eigenes Klimaressort, die Gratiszeitung "Heute" holt sich mit Lydia Matzka-Saboi Know-how von Global 2000, Helga Kromp-Kolb schreibt seit zwei Jahren regelmäßig Kolumnen für die "Kronen Zeitung". Auch in der ORF-Information, die ab 2022 im multimedialen Newsroom gebündelt wird, gibt es Überlegungen für ein Klima-Ressort. TV-Wissenschaftschef Günther Mayr meint, das wäre ein Gebot der Stunde. Viele sehen die Corona-Berichterstattung, im Lauf der Pandemie fast aus dem Nichts hochgezogen, als Vorbild. Klima soll aus der Primetime nicht mehr wegzudenken sein.

Niedrige Schwelle zum Aktivismus

Wer mit eindringlichen Worten über die Klimakrise berichtet, bekommt schnell den Aktivismus-Stempel aufgedrückt. Neutral und nüchtern bleiben, sich mit keiner noch so guten Sache gemein machen, das kann beim Thema Klima schwerfallen. "Was ist die zweite Seite zu Klimaschutz? Kein Klimaschutz bedeutet, dass wir unsere Lebensgrundlage zerstören", sagt die deutsche Journalistin Sara Schurmann, die mit dem "Netzwerk Klimajournalismus" genau dafür Bewusstsein in der Branche schaffen will. Die Aufgabe des Journalismus sei es jedenfalls nicht, sich in die Mitte zu stellen, sagt auch "Falter"-Journalist Benedikt Narodoslawsky. Gerät die strikte Trennung zwischen Aktivismus und Journalismus ins Wanken, wenn sich sogar "Heute" für eine Klimakolumne eine langjährige Umweltaktivistin ins Haus holt? Oder kann man vielleicht beides gleichzeitig sein, Journalistin und Aktivistin - wenn es um nichts Geringeres als die Rettung der Welt geht?

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