Hirschhorn-Collage

THOMAS HIRSCHHORN

The Way Out

Ein Denkmal für Simone Weil

Thomas Hirschhorn im Gespräch mit Christine Scheucher

Sie hat als Arbeiterin in Fabriken geschuftet, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg und engagierte sich im nationalen Befreiungskomitee von General de Gaulles. Die französische Philosophin und Mystikerin Simone Weil fasziniert nicht nur aufgrund ihrer Texte, die analytischen Scharfsinn mit sprachlicher Brillanz vereinen. Simone Weil wird von ihren Bewunderern auch aufgrund ihrer vorbildhaften Lebensführung wie eine Heilige verehrt. Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn widmet der früh verstorbenen Philosophin und Aktivistin einen Altar am Esperantoplatz in Graz. Persönlichkeiten wie Ingeborg Bachmann oder Gilles Deleuze hat Hirschhorn bereits sogenannte "Altäre" im öffentlichen Raum gewidmet. Es sind Objektansammlungen, die an spontan entstandene Denkmäler erinnern, wie jenes etwa, das 1997 nach dem Unfalltod von Lady Diana in den Kensington Gardens entstanden ist.

Hirschhorn, der mit seiner Teilnahme bei der documenta 11 und bei der Venedig-Biennale 2011 international auf sich aufmerksam gemacht hat, gestaltet Installationen, die einer großen Materialschlacht gleichen. Das Nebeneinander unterschiedlicher visueller Codes, die scheinbar willkürliche Montage von Kriegsbildern und Screenshots aus Softpornos, erzeugen Schockeffekte, mit deren Hilfe der Künstler die Sprache der medialen Überinstrumentierung quasi von Innen zum Platzen bringt. In seinen Installationen ahmt der Künstler, so scheint es, die Informationsflut nach, die unser Bewusstsein in den digitalen Distributionskanälen täglich umspült. Hirschhorns Altären hingegen haftet der Gestus der Besitznahme des öffentlichen Raums an. Nach eineinhalb Jahren behördlich verordneter Selbstisolation sei diese Rückeroberung des öffentlichen Raums das große Desiderat künstlerischer Praxis. Denn, so der Künstler, in seinem Manifest für ein Museum der Zukunft: "Das Ziel, die Mission des Museums der Zukunft ist die Herstellung oder Wiederherstellung des öffentlichen Raums."

Das ausführliche Gespräch von Christine Scheucher mit Thomas Hirschhorn finden Sie im Ö1-Festival-Podcast zum steirischen herbst The Way Out, in der ORF Radiothek und überall dort, wo es Podcasts gibt.

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Die kollektive Erfahrung der letzten Monate hat die Gesellschaft geprägt und lässt nur vorsichtig in die Zukunft blicken. Der steirische herbst 21 nimmt die aktuelle Situation zum Anlass für eine Gegenbewegung: radikal nach draußen, ins Freie, in die Menge, vielleicht sogar in die Masse; aber auch hinaus aus der institutionellen Blase, in der sich Kunst, insbesondere die Avantgarde, bewegt. Im Ö1 Festival-Podcast The Way Out wird diese Bewegung in Gesprächen mit Künstler/innen, die am aktuellen Festival teilnehmen, reflektiert. Was ist an öffentlichem Raum während der Pandemie verloren gegangen? Wie lässt er sich (wieder) einnehmen, und welche Rolle spielt die Avantgarde in diesem Prozess? Und in welchen Situationen hat man das Gefühl, "raus zu müssen"? Wohin überhaupt?
Gespräche mit Künstlerinnen und Grafikern, mit Denkerinnen und Performern begleiten akustisch durch das Festival; der Musiker Manfred Engelmayr steuert ein Bouquet an eigens komponierten Soundstücken bei.

Service

The Way Out - steirischer herbst 2021

Thomas Hirschhorns Simone Weil Memorial ist bis 10. Oktober 2021 am Esperantoplatz in Graz zu sehen.

Thomas Hirschhorn

Der Ö1 Podcast The Way Out mit neun Episoden (in voller Länge zu je etwa 15 Minuten) ist in der ORF Radiothek und überall dort, wo es Podcasts gibt, erhältlich.

Sendereihe

Gestaltung