Eine Häuserwand im Zerrspiegel

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Wenn Medien keinen Stich machen

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Stefan Kappacher und Birgit Pointner

Das Pandemie-Management in Österreich ist an einem toten Punkt angelangt. Die Durchimpfung ist zu niedrig, um alle Corona-Maßnahmen aufheben zu können. Es drohen vielmehr Verschärfungen vor allem für Ungeimpfte. Skeptiker der Maßnahmen und Gegner der Impfung werden von den Medien zunehmend nicht mehr erreicht, dafür ziehen sie - nicht zuletzt dank ihrer starken Präsenz mit Falschinformationen auf Social Media - in den Landtag in Oberösterreich ein. #doublecheck fragt nach, was Faktenchecker in der Situation bewirken können und was Medien sonst noch tun können.

Faktencheck als neue Disziplin

Die Austria Presse Agentur hat seit eineinhalb Jahren eine eigene Faktencheck-Abteilung, die überprüft fragwürdige Behauptungen, die öffentlich aufgestellt werden, auf ihren Wahrheitsgehalt. Ob ein Faktencheck gemacht wird, hängt davon ab, über welche Kanäle und mit welcher Reichweite mutmaßliche Falschinformationen verbreitet werden. Auch das Nachrichtenmagazin "profil" startet mit 1. Oktober ein Faktencheck-Projekt. Wie wichtig diese Arbeit ist, hat zuletzt das Satire-Portal "Die Tagespresse" drastisch vor Augen geführt - mit der gut gemachten, aber halt leider falschen Ankündigung, der als Politiker in Österreich gescheiterte Frank Stronach werde bei der Bundespräsidenten-Wahl im kommenden Jahr kandidieren. Die APA brachte die Meldung, die meisten Redaktionen haben das online übernommen. Die Faktenchecker sagen: Man hätte nicht darauf hereinfallen müssen.

Vom Recht, Unsinn zu senden

Servus TV nimmt in der Pandemie eine zweifelhafte Rolle ein. Eine Studie belegt, dass der Fernsehsender von Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz zum Sammelbecken für impf-skeptische und verschwörungsaffine Menschen geworden ist. Eine Nische, die Reichweite bringt: Servus TV betreibe Desinformation und stelle den Profit über die Gesundheit, kritisiert der Politikwissenschafter Jakob-Moritz Eberl. Auch ehemalige Talk-Gäste berichten von einer eindeutigen Agenda, die hinter den Kulissen zu spüren sei. Natürlich könne Servus TV senden, was es wolle, sagt die Journalistin und Expertin für Verschwörungsideologien, Ingrid Brodnig. Sie ruft die anderen Medien dazu auf, die Fakten wieder geradezurücken. Dagegenhalten müsste auch die Impfkampagne der Bundesregierung. Aber das hat bisher noch nicht geklappt.


Boost aus der Corona-Parallelwelt

Online war es schon vor der Landtagswahl in Oberösterreich absehbar: Die neugegründete Partei MFG (Menschen Freiheit Grundrechte) mobilisiert in den Sozialen Medien stark. Die Videos und Artikel wurden innerhalb von wenigen Wochen mehr als 200.000 Mal auf Facebook geteilt, geliket und kommentiert, die Zahl der Interaktionen war damit fast fünfmal größer als bei den Grünen. Für Werbung wiederum haben die Grünen zehnmal so viel ausgegeben. Markus Zimmer, Chef der Markt- und Meinungsforschungsagentur BuzzValue, kommt zum klaren Ergebnis: "Ohne soziale Medien hätte MFG den Einzug in den Landtag nicht geschafft."


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