Melanie Wolfers

MANUELA HOLZER-HORNY

Logos

Logos - Glauben und Zweifeln

Was heißt hoffen? - Melanie Wolfers über die Macht der Zuversicht

Die Corona-Pandemie hat uns in den vergangenen zwei Jahren global deutlich gemacht, wie verwundbar unser Menschsein ist. Eine Zunahme an Dürren, Feuersbrünsten und Fluten kündigt an, dass wir bereits in einer Klimakrise stecken. Diktaturen wie in Belarus, Syrien, Myanmar und Afghanistan scheinen über demokratische Aufbrüche vorerst triumphiert zu haben. Und was Europa betrifft: Die zukunftsoptimistische Stimmung der Neunziger Jahre ist längst verflogen. In einer "psychotischen Gesellschaft" (Ariadne von Schirach) fühlen sich immer mehr Menschen von Angst getrieben, orientierungslos, überreizt und erleben sich als überfordert, ihr Leben wirklich verändern zu können.

Doch das Leben geht jedenfalls weiter. Wir brauchen individuell wie gesellschaftlich eine psychische Energie, mit der wir kreativ und mutig unsere besten Kräfte aktivieren können. Wir brauchen Zuversicht, eine Haltung, die sich jeder und jede aneignen kann. Zuversicht und Hoffnung wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Optimismus missverstanden. Theodor Fontane meinte einmal: "Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können." Optimisten sind also - wie Pessimisten übrigens auch - Ideologen. Sie folgen einem fixen positiven oder negativen Wunsch- oder Angstbild, anstatt das wahr- und ernst zu nehmen, was sich in der vielfältigen Wirklichkeit zeigt. Zuversicht ist eine Haltung, die jenseits von Optimismus und Pessimismus liegt.
Johannes Kaup hat mit der Theologin, Ordensfrau und Bestseller-Autorin Melanie Wolfers auf der GlobArt-Academy 2021 im Benediktinerstift Melk über die Macht der Zuversicht gesprochen.

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