Clemens J. Setz

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Radiogeschichten Spezial

Der Ö1 Essay von Clemens J. Setz

Der Ö1-Essay - Clemens J. Setz: "Gedankenspiele über die Wahrheit", Droschl Verlag. Es liest Alexander Strömer

In seiner Rede zur Literatur als Auftakt zum Ingeborg Bachmannpreis 2019 - dem bislang letzten analogen Klagenfurter Wettlesen - machte Clemens Setz gewohnt abschweifungsfreudig auf ein Phänomen verzerrter Wirklichkeitswahrnehmung aufmerksam, dass sich im Wrestling "Kayfabe" nennt: es geht dabei darum, die Rolle, also eine Fiktion, mit der Realität zu verwechseln. Wrestling kann man nur verstehen, wenn man die Kämpfe im Ring als Wirklichkeit annimmt und zugleich weiß oder zumindest ahnt, dass sie Inszenierungen sind. Auch in der Schriftstellerzunft würden bis heute einige höchst sonderbare und lebensverkehrte Kayfabe-Regeln walten, erklärte Setz, etwa die Ansicht, dass man sich monatelang wegsperren müsse, um schreiben zu können.

Dass der Schriftsteller vom Lärm der Welt bewahrt werden müsse. Als wäre das Formulieren deutscher Sätze so unendlich schwierig, dass man dafür Ruhe brauche. Er habe lange gebraucht, sagte Setz, um zu begreifen, dass Schriftsteller zu sein bedeute, in der Mitte der Gesellschaft zu stehen und sich nicht aus dieser herauszuheben, das heißt: den Schriftsteller als Randexistenz zu spielen. Schriftsteller zu sein ist eben auch ein Changieren zwischen Wahrheit und Fiktion und der Grenzverlauf ist ja bei weitem nicht so eindeutig, wie man vielleicht glaubt, wenn man, wie es so schön heißt, mit beiden Beinen auf der Erde steht. Nun ist im Droschl Verlag ein Essay von Clemens Setz mit dem Titel "Gedankenspiele über die Wahrheit" erschienen.

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  • Peter Zimmermann

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