Megaphon und Nebelwolken in blau und braun

APA/AFP/TIZIANA FABI

doublecheck

Ein Blick in die Cameras Obscuras

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara, Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Die Europäische Union hat angesichts des Angriffskriegs von Russland gegen die Ukraine einen beispiellosen Schritt gesetzt und die Staatsmedien RT - früher "Russia Today" - und "Sputnik" verboten. Ein Akt nahe an der Zensur, der sich aber damit rechtfertigen lässt, dass sich die betroffenen Medien selbst als vom russischen Verteidigungsministerium gesteuert sehen. Quasi als Waffe im gerade wild tobenden Informationskrieg. #doublecheck hat mit Medienministerin Susanne Raab über die Maßnahmen gesprochen und im ORF-Büro in Moskau nachgefragt, was die Schritte der EU für die Arbeitsbedingungen internationaler Berichterstatter in Moskau bedeuten könnten.

Hinter Clickbait lauern die Lügen

"Russia Today" ist mehr als ein Propaganda-Instrument des Kreml, mit dem Budget kann sich in Europa nur BBC World News messen, wie Stephen Hutchings von der Universität Manchester betont. Er hat mit seinem Team breit untersucht, wie RT arbeitet und welche Wirkung es hat. Professionell gemacht, arbeitet der Sender aus seinen 22 Büros weltweit mit Clickbait - postet also Promi-Klatsch und ähnliches, um die Menschen über Social Media auf die Website zu locken, wo man dann mit Desinformation zugeschüttet wird. Pingpong im Netz mit befreundeten politischen Parteien wie der FPÖ, das hat auch sogenannte alternative Medien in Österreich großgemacht, und das geht jetzt weiter. Auch auf diesen Kanälen findet man pro-russische oder relativierende Berichterstattung über den Krieg gegen die Ukraine.

Rechter Desinformations-Cluster wächst

Der rechte Medien-Cluster um "Wochenblick" und "Info-Direkt" in Oberösterreich hat Verstärkung bekommen - durch den Sender "AUF1" und das Nachrichtenportal "Report24". "AUF1" Geschäftsführer ist der Rechtsaußen Stefan Magnet, mit engen Beziehungen zur FPÖ. Der oberösterreichische Regionalsender RTV sendet sein Programm. "Report24" hält die Namen der Redakteure und Geschäftsführer im Dunkeln. Beide Medien rufen zu Spenden auf, ihre Geldgeber sind unbekannt. Entstanden in der Pandemie, machen sie ihr Programm für Corona-Leugner und Impfgegner - und jetzt auch für jene, die hinter dem Krieg in der Ukraine und seinen verheerenden Folgen eine Weltverschwörung wittern.

Eine pervertierte "News"-Recherche

Wir beleuchten ein aktuelles Lehrbeispiel der Desinformation: Das Nachrichtenmagazin "News" veröffentlichte Ende Jänner einen Artikel über Mitglieder des nationalen Impfgremiums und ihre Beziehungen zur Pharmaindustrie. Zeitgleich tauchte ein Video mit "News"-Logo auf, das den Artikel ausgiebig zitiert, aber weder Bilder noch Sprache passen zu "News". In der Wortwahl emotional, ist die politische Diktion der Rechten zu erkennen. Auf Nachfrage stellt sich heraus, das Video ist nicht von "News". Es kommt von der FPÖ und wurde mit dem "FPÖ-TV"-Logo veröffentlicht. Jemand hat es also manipuliert, offenbar damit das Video glaubwürdiger erscheint und mehr Menschen anspricht.

Der toxische "Exxpress"-Journalismus

Seit bald einem Jahr versucht auch der "Exxpress" den Medienmarkt in Österreich aufzumischen. Hinter dem Onlinemedium steckt der berüchtigte und mehrmals verurteilte Boulevardjournalist Richard Schmitt. Gestartet mit dem Vorsatz, ein "gehobener Boulevard" sein zu wollen, ist für viele die ÖVP-Nähe mittlerweile kaum mehr abzustreiten. Schmitt fährt - wie zuvor schon bei der "Kronen Zeitung" und "OE24" - Kampagnen, wie sie im Buche stehen, sie treffen Journalisten-Kollegen und ihm unliebsame Ministerinnen. Finanziert wird der "Exxpress" nicht nur von einer intransparenten Liechtensteiner Stiftung, sondern vor allem von Herausgeberin Eva Schütz. #doublecheck hat mit Schütz über ihre Agenda und ihr Medienverständnis gesprochen.

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