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Radiokolleg - Bildungsungleichheit ausgleichen

Chancengerechtigkeit im Schulsystem (2)
Gestaltung: Juliane Nagiller

Die Covid-19-Pandemie hat die Bildungsungleichheiten in Österreich weiter verschärft. Wochenlang waren die Schulen geschlossen; die Schülerinnen und Schüler im Homeschooling. Besonders für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten eine große Herausforderung. Eine Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern ergab: Sie konnten ein Drittel der von Ihnen als benachteiligt eingestuften Schülerinnen und Schüler nicht erreichen. Durch die Schulschließungen wurden vor allem jene abgehängt, die es bereits vorher schwerer hatten als andere.

Bildungserfolg ist in Österreich vom Elternhaus abhängig. Laut OECD gelinge der "Bildungsaufstieg" in Österreich verhältnismäßig selten. Kindern aus einkommensschwachen Haushalten stehen weniger Ressourcen zur Verfügung. Es fehlt an Geld für Nachhilfe, Laptops oder einer guten Internetverbindung. Eltern können oft nicht viel Zeit aufbringen, ihre Kinder zu unterstützen. Und die Kinder bekommen weniger Bildung von zu Hause mit; haben im Vergleich zu Akademiker-Kindern einen geringeren Wortschatz oder weniger Bücher zu Hause.

In der Schule sollen alle Kinder gleichbehandelt werden, so das Ideal. Durch diese Gleichbehandlung verfestigen sich jedoch ungleiche Startchancen. Das Bildungssystem reproduziert soziale Ungleichheit. Um Chancengerechtigkeit zu erreichen, müsste Ungleiches ungleich behandelt werden, könnte man argumentieren.

Doch wie organisiert man Ungleichbehandlung im Bildungssystem? Wie gleicht man aus, dass Schulen in Ballungszentren stärker gefordert sind als Schulen in ländlichen Regionen? Wie, dass es sogar innerhalb einer Stadt unterschiedliche Herausforderungen je nach sozioökonomischem Einzugsgebiet gibt?

In Bremen hat man Schulen, deren Schülerinnen und Schüler besonders schwache Lernleistungen ablieferten, zusätzliche Förderungen zur Verfügung gestellt. Die Zahl leistungsschwacher Kinder konnte verringert, die Leistungen der Schulen auf den Durchschnitt gehoben und migrationsbedingte Nachteile ausgeglichen werden. Zudem ergab die Evaluation: Die ungleiche Förderung ging nicht auf Kosten der leistungsstarken Kinder. Ähnliches wird von der London Challenge berichtet, dem britischen Schulverbesserungsprogramm. Gezielt wurden Schulen in Bezirken mit einem hohen Migrations-Anteil und einem hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern aus benachteiligten Familien unterstützt. Als das Programm auslief, zählte London nicht mehr zu den Regionen mit den schlechtesten, sondern zu jenen mit den besten Schulergebnissen.

Erste Schritte weg vom Gießkannenprinzip hin zu einer bedarfsorientierten Schulfinanzierung hat man auch kürzlich in Österreich gemacht. Die Vergabe der Planstellen an Schulstandorte in Wien richtet sich nun teilweise nach der Zahl der Schülerinnen und Schüler pro Klasse sowie nach Sprachdefiziten oder sozialen Problemen. Und im Pilotprojekt "100 Schulen - 1.000 Chancen" werden Schulen mit einem hohen Anteil an sozioökonomisch benachteiligten Schülerinnen und Schülern besonders gefördert.

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Nationaler Bildungsbericht 2021
Pilotprojekt 100 Schulen - 1000 Chancen
BEIGEWUM: Covid-Kaleidoskop I. Wie die Krise die Ungleichheit verschärft
Lorenz Lassnigg und Mario Steiner (2018): Die bildungspolitische Herausforderung: Transparente Finanzierung der Governance-Strukturen und -praktiken. IHS Policy Brief
Schulen gerecht finanzieren: Der AK-Chancen-Index
Vucko Schüchner und Iris Schwarzenbacher (2017): Bildungschancen FAIRteilen!. Modelle gerechter Schulfinanzierung.
Robert Bosch Stiftung: Pilotprojekt "School Turnaround - Berliner Schulen starten durch"
SVR (2016): Ungleiches ungleich behandeln! Wege zu einer bedarfsorientierten Schulfinanzierung.
Cornelia von Ilsemann, Sylvia Löhrmann, Hannelore Trageser und Philipp Antony (2021): Neue Lernkultur für alle Schulen! Impulse für ein zukunftsfähiges Bildungswesen
Österreichisches Sprachen-Kompetenz-Zentrum (2014): Basiskompetenzen Sprachliche Bildung für alle Lehrenden

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