Chinesisches Social-Scoring-System-App auf dem Handy

AP/LANG XINCHEN

Punkt eins

Umstrittene Punkte für Bürger:innen

Schreckensbild und schwarze Box: Chinas Sozialkreditsystem.
Gast: Assoz. Prof. Dipl.-Sozialwiss. Dr. Heinz Christoph Steinhardt, Politikwissenschaftler, Institut für Ostasienwissenschaften, Universität Wien.
Moderation: Barbara Zeithammer.
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Im September starten in mehreren europäischen Städten und Regionen Projekte, bei denen Bürger:innen für bestimmte Verhaltensweisen vom Staat belohnt werden sollen: für umweltfreundliche Mobilität gibt es Punkte, die man für Freizeitaktivitäten einlösen kann.
Doch kaum wurden die Pläne für derartige Bonussysteme in Bayern, Bologna, Wien und Belgien bekannt, wurden Vergleiche mit dem Sozialkreditsystem Chinas laut, das häufig als Schreckensbild totaler Kontrolle und Überwachung des Staates beschrieben wird.

Sogenannte Social Scoring Systeme, bei denen bestimmte Verhaltensweisen, soziale Phänomene oder auch Eigenschaften mittels Punktewerten vergleichbar gemacht werden sollen, gibt es beispielsweise auch bei Versicherungen und in Fragen der Kreditwürdigkeit. Das chinesische Sozialkreditsystem umfasst bereits zahlreiche, höchst unterschiedliche Pilotprojekte, speist sich aus sämtlichen denkbaren Informationsquellen, bewertet Einzelpersonen genauso wie Unternehmen und sieht nicht nur Vergünstigungen für vorbildliches Verhalten, sondern auch Strafen für das Gegenteil vor. Wer zu wenig Sozialpunkte auf seinem Konto hat, kann unter Umständen kein Zug- oder Flugticket erwerben. Für das Jahr 2020 war eine landesweite Einführung des Sozialkreditsystems geplant, doch in der geplanten Form ist es noch nicht umgesetzt.

"Das ist ein neues System der Regierungsführung, in dem die Regierung versucht, über das Sammeln von Informationen Reputationen zu erstellen und damit das Verhalten aller Bürger:innen in bestimmte Richtungen zu lenken", sagt Heinz Christoph Steinhardt von der Universität Wien. Am Institut für Ostasienwissenschaften erforscht er dieses System in einem ERC-Projekt und hat sich als "Gegenstand, der unsere Forschung symbolisiert, eine schwarze Schachtel von meinem Sohn basteln lassen".

Über seine Forschungen zu dem "extrem komplexen" sozialen Kreditsystem, die Frage, "was da wirklich drinsteckt und was verschiedene Menschen hineinprojizieren", die Ziele und Hintergründe sowie die Wahrnehmung und die Auswirkungen in China spricht Heinz Christoph Steinhardt als Gast bei Barbara Zeithammer - und Sie können wie immer mitreden und Ihre Fragen stellen: 0800 22 69 79 ist die Telefonnummer für Ihre Beiträge live während der Sendung, punkteins(at)orf.at die Adresse für Ihre schriftlichen Kommentare.

Heinz Christoph Steinhardt ist assoziierter Professor am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien und hat in Hong Kong promoviert und dort und in Singapur 11 Jahre lang gelebt und geforscht. Seit 2018 ist er an der Universität Wien tätig. Er leitet das ERC-Projekt "Engineering a Trustworthy Society: The Evolution, Perception and Impact of China's Social Credit System".

Sendereihe

Playlist

Urheber/Urheberin: : Marie Van Uytvanck & Amber Piddington
Titel: Bad Grades
Ausführende: Kids With Buns
Länge: 03:26 min
Label: V2 Records Benelux

Komponist/Komponistin: Su Rehrl & Marc Bruckner
Titel: Observation
Ausführende: SFYA
Länge: 04:35 min
Label: Preiser Records PR91381

Komponist/Komponistin: Bacharach
Album: Love All the Hurt Away
TRUTH AND HONESTY
Ausführende: Aretha Franklin
Länge: 04:17 min
Label: Arista 253913

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