Annette von Droste-Hülshoff

GEMEINFREI

Komponistinnen

Komponistinnen! - 23 Porträts über Musik und (Frauen) Leben

Annette von Droste Hülshoff - die Geistvolle

Annette von Droste-Hülshoff, 1797 geboren und 1848 auf der Burg Meersburg gestorben war Dichterin, Erfolgsautorin und Komponistin. Der Mord an dem Juden Soistmann Berend 1783 inspirierte sie zu dem millionenfach wiederaufgeflegten und vielfach übersetzten Bestseller "Die Judenbuche".

Ihren Eltern, die für Musik und Literatur sich begeisterten, hat die Dichterin in ihrem Fragment "Bei uns zulande auf dem Lande" ein literarisches Denkmal gesetzt. Während die männlichen Familienmitglieder meist Universitätsbildung besaßen, erfuhren auch die Frauen eine polyglotte Ausbildung.Im Stammsitz der Droste-Hülshoffs auf Burg Hülshoff befindet sich noch heute eine ansehnliche Noten- und Musikmaterialien-Sammlung, die für das häusliche Musizieren im Familienkreis gebraucht war.1820 gab Annette ihr erstes öffentliches Konzert in Höxter, bei dem sie unvorbereitet sowohl beim Gesang wie der Klavierbegleitung den Part anderer Mitwirkender übernahm.Erst spät, zwischen 1824 und 1831, erhielt Annette auch Gesangsunterricht. Über ihre außergewöhnliche Stimme wurde berichtet, sie sei "voll, aber oft zu stark u. grell, geht aber sehr tief, und ist dann am angenehmsten. SIe gab den Familienmitgliedern Unterricht in Gesang und am Klavier.

1821 bekam Annette von ihrem Onkel Maximilian, einem Freund Haydns, eine Ausgabe der Kompositionslehre. Annette reagierte so: "Dass ich aus Dankbarkeit das ganze Werk von Anfang bis zu Ende durchstudiere und auswendig lerne!" Optimal vorbereitet - auch durch das Studium zeitgenössischer Musikschriften und Kompositionen - begann Annette zu komponieren. Zu vier Opernprojekten entstanden mehr oder weniger ausgeführte Libretti und Musik. 1836 wurde sie zu 74 Neuvertongun der Gedichte des Lochamer Liederbuchs angeregt.

Mit Clara Schumann und Robert Schumann stand Annette in brieflichem Kontakt: 1845 bat Clara Annette um ein Libretto, eine Arbeit, die diese nicht ausführte. Robert selbst hatte bereits ein Gedicht von Annette (Das Hirtenfeuer, op. 59,5) in Musik gesetzt, das 1844 in einer Gedichtsammlung erschienen war.

Annette spielte ihre eigenen Werke nie öffentlich. Erst 1877, 30 Jahre nach ihrem Tod, kam ihr Wirken als Komponistin ans Licht, als Christoph Bernhard Schlüter (1801-1884) einige Werke aus dem Nachlass der Dichterin veröffentlichen ließ (Lieder mit Pianoforte-Begleitung. Componirt von Annette von Droste-Hülshoff). Er schätzte "ihr großes Talent für Gesang und Musik", da sie die "seltenste Gabe" besaß, "Poesie in Musik und Musik in Poesie zu übersetzen".

Annette von Droste-Hülshoff verknüpfte ihre musikalische Begabung mit einem hohen Anspruch, was aber auch zu einem Konflikt mit ihren literarischen Ambitionen führte: ". das Operntextschreiben ist etwas gar zu Klägliches und Handwerksmäßiges. Ihr (musikalischer) Nachlass befindet sich heute als Dauerleihgabe in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster.

Seit dem Frühjahr 2021 gibt es zwischen den westfälischen Erinnerungsorten der Dichterin einen Lyrik-Wanderweg mit zahlreichen Stationen und lehrreichen Hinweisen zu ihrem Werk. Ein Asteroid, nicht nur viele Schulen, wurde nach ihr benannt.

Service

Nicole Seifert: Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt. Kiepenheuer und Witsch 2022.

Hör- und Leseempfehlung der Interviewpartnerin: https://susanne-wosnitzka.de/blog/

Sendereihe

Playlist

Urheber/Urheberin: Anette von Droste - Hülshoff
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Lochamer Liederbuch
Bearbeiter/Bearbeiterin: Klaus Reiners(Satz)
Titel: Mein Mut ist mir betrübet gar
Chor: Birnauer Kantorei
Länge: 02:56 min
Label: hgbs 19008

weiteren Inhalt einblenden