Radiogeschichten

Im Dialog mit dem schöpferischen Alter Ego

"Er und sein Mann" von J.M. Coetzee Aus dem Englischen übersetzt von Reinhild Böhnke. Es liest Michael Dangl.

Robinson ist müde. Er hat wenig Lust, seine Energie mit Reden zu verschwenden und am Leben der Anderen teilzunehmen. Seine Frau hat ihn mit ihrem Gequassel zermürbt. Sie ist gestorben und er hat nicht getrauert. Schlimmer war für ihn der Tod seines Papageis. Wäre da nicht "sein Mann", er wäre komplett weltabgewandt, ein Einsiedler mit Alterssitz in der Zivilisation.
"Sein Mann", das ist sein Schöpfer. Der Leser ahnt: Es muss Daniel Defoe sein. Aber nun steckt Robinson in der Rolle des Erzählers und denkt sich Defoe schreibend als extrovertierten Mann, der ihn, den alten Robinson, mit seinen Geschichten am Getriebe der Welt teilnehmen lässt, indem er über die Entenjagd in Lincolnshire oder den Ausbruch der Pest in London erzählt.

Als J.M. Coetzee 2003 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, löste der medienscheue Schriftsteller mit dieser Erzählung elegant das Problem, vor großem Publikum über sich reden zu müssen.
Coetzee, 1940 in Kapstadt geboren und seit zehn Jahren australischer Staatsbürger, wurde neben dem Nobelpreis auch zweimal mit dem Booker Prize geadelt. Er hat in seinen Romanen und Essays immer wieder autobiografische Details und Kunstfiguren miteinander verwoben.

Gestaltung: Nicole Dietrich

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Aus: J.M. Coetzee, "Ein Haus in Spanien. Drei Geschichten." Aus dem Englischen übersetzt von Reinhild Böhnke. S. Fischer, 2017.

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