Zerbrochenes, zerschlagenes Bild von Tito

PICTUREDESK.COM/RICHARD SCHNEIDER

Betrifft: Geschichte

Als Jugoslawien zerfiel

Geschichte und Aktualität eines Krieges
mit: Ljiljana Radonic, Politikwissenschafterin
Eine Kooperation von Ö1 mit dem Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Die militärischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien der 1990er-Jahre zählen zu den blutigsten Kriegshandlungen in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Bis heute setzen sich schwelende ethnische und territoriale Konflikte aus den Jugoslawienkriegen fort, wie zuletzt die Spannungen im Nordkosovo in Erinnerung brachten.

Gegen Ende der 1980er-Jahre haben sich die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Teilrepubliken der "Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien" deutlich abgezeichnet. Im Jahr 1990 fanden die ersten freien Wahlen statt, die demokratische und nationalistische Kräfte bestärkten. Das kommunistisch-nationalistische Regime Serbiens unter Slobodan Milosevic hielt an einem gesamtjugoslawischen Staat fest und verfolgte die Errichtung eines Groß-Serbien. Nachdem Kroatien und Slowenien am 25. Juni 1991 jeweils ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, griffen Truppen der Jugoslawischen Volksarmee Slowenien an. Kurz nach dem Ende des "10-Tage-Krieges", eskalierte der bewaffnete Konflikt in Kroatien, vorrangig um serbisch besiedelte Gebiete Kroatiens, und in weiterer Folge, nach seiner Unabhängigkeitserklärung am 3. März 1992, auch in Bosnien-Herzegowina. Tausende Menschen sind im Zuge sogenannter "ethnischer Säuberungen" ermordet worden. Das Massaker von Srebrenica 1995 wurde vom Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen im Jahr 2007 als Völkermord bezeichnet. Vor 30 Jahren, Ende Mai 1993, wurde in Den Haag der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien geschaffen, um die in diesen Kriegen massiv verübten schweren Verbrechen gegen das Völkerrecht zu ahnden. Bis heute herrscht in Ex-Jugoslawien ein "Krieg um die Erinnerung", in dem sich widersprechende Geschichtserzählungen der Bosniak:innen, Kroat:innen und Serb:innen gegenüberstehen.

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Sendereihe

Gestaltung

  • Rosemarie Burgstaller