Enrique Granados

Enrique Granados - GEMEINFREI

Ausgewählt

Der Klang von Goya und Böcklin

Musik nach Gemälden: Regers Tondichtungen nach Arnold Böcklin und Enrique Granados Klavierzyklus "Goyescas".

Musik der Gattung der "Tondichtung" oder "symphonischen Dichtung" bezieht sich auf mehr oder weniger konkrete Szenen, Landschaften oder Figuren, so wie Debussys "La Mer", Liszts "Prometheus" oder Mussorgskys "Nacht auf dem kahlen Berge". Tondichtungen nach bestimmten Gemälden sind eher selten, aber es gibt sie: Max Regers "Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin" für Orchester nehmen teilweise sehr detaillierten Bezug auf die dargestellten Szenen in den Gemälden, etwa bei "Im Spiel der Wellen", in dem Diener des Meeresgottes Poseidon zu sehen sind, die sich etwas aufdringlich einigen verführerischen Meeresnymphen nähern.

Ein ungewöhnliches Beispiel von Tondichtungen dieser Art ist ein Klavierzyklus des spanischen Komponisten Enrique Granados. Er sei besessen von den Gemälden Goyas gestand er und schuf 1911 einen Klavierzyklus von 6 Stücken, ausgehend von 80 Radierungen Goyas aus den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts. Sie beschreiben das Leben der einfachen Menschen im Spanien seiner Zeit. Granados nimmt in seinen "Goyescas" teilweise direkt Bezug auf einzelne Darstellungen, wie etwa ein beliebtes Gesellschaftsspiel, in dem eine Strohpuppe auf einem Tuch liegend in die Luft geschleudert wird. Bemerkenswert, fast seltsam erscheint es, dass Granados aus diesem Klavierzyklus mit unzusammenhängenden Themen, eine einaktige Oper macht mit demselben Titel "Goyescas". 1916 wurde sie an der Metropolitan Opera uraufgeführt.

Der zeitliche Abstand der Kompositionen und Gemälde beträgt im Falle von Granados über ein Jahrhundert, im Falle von Reger und Böcklin nur einige Jahrzehnte. Wieviel von der Ästhetik und dem bildnerischen Ausdruck der Originale stecken in der Musik? ‚Hört' man die Gemälde in den Interpretationen der Orchester und Pianisten:innen?

Sendereihe

Gestaltung