Buchdeckel mit dem Titel "Die gelbe Straße"

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Tonspuren

Eine Annäherung an die Schriftstellerin Veza Canetti

Dienstmädchen, einfache Angestellte, Frauen, die sich in ihren Ehen aufopfern. Veza Canettis Herz gehörte den kleinen Leuten, jenen denen das Schicksal oder die anderen übel mitspielen. Sentimental sind ihre Texte keineswegs, vielmehr sind sie scharf und sprühen vor Witz. Ein Band mit Erzählungen, eine Handvoll Theaterstücke und zwei Romane sind von der ersten Frau an der Seite des späteren Literaturnobelpreisträgers Elias Canetti erhalten geblieben.

1897 wird sie als Venetiana Taubner-Calderon in Wien geboren. Sie ist Jüdin und bekennende Sozialistin und gilt in den 1930er Jahren als herausragendes literarisches Talent. Die Arbeiterzeitung, damals die bestgeschriebene Zeitung Wiens, druckt mehrere ihrer Texte ab. Erst posthum werden sie zum Roman "Die gelbe Straße" zusammengefügt. Eine zärtlich-bissige Milieustudie der eigenen Straße in der Leopoldstadt, in der sie mit der Mutter und dem Stiefvater lebt. Wie bei vielen Autorinnen ihrer Zeit wird ihre Karriere durch den aufkommenden Faschismus abrupt beendet. Ab 1934 gibt es für sie keine legalen Publikationsmöglichkeiten mehr.

Bereits 1924 begegnet sie Elias Canetti, den sie 1934 heiratet. Bis zum Schluss bleibt sie an seiner Seite, trotz seiner zahlreichen Affären. Das eigene Schreiben stellt sie zu Gunsten seines Schaffens zurück. Doch auch in England, wohin das Paar 1938 vor den Nationalsozialisten geflohen war, schreibt sie weiter. Zahlreiche Erzählungen, der Roman "Die Schildkröten" und das Theaterstück "Der Oger" datieren aus der Zeit. Alle Versuche, etwas davon zu veröffentlichen, bleiben zu Lebzeiten jedoch erfolglos.

"Die Wahrheit ist verschüttet."
Eine Annäherung an die Schriftstellerin Veza Canetti
Feature von Shenja von Manstein
Sprecher/innen: Karl Markovics und Irina Wanka
Ton: Milos Ikic
Redaktion: Claudia Gschweitl

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