Architektur in Rijeka, Häuserzeile

PICTUREDESK.COM/DPA PICTURE ALLIANCE/FRANCISCO JAVIER GIL OREJA

Betrifft: Geschichte

Fiume - Rijeka

Spielball der Weltpolitik
mit: Stefan Wedrac vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Im 15. Jahrhundert wurde Fiume/Rijeka Teil der Habsburgermonarchie. 1779 wurde die Hafenstadt zu einem direkt der Krone unterstellten eigenständigen Gebiet. Während der napoleonischen Kriege viel Fiume an den französischen Marionettenstaat des Königreich Italien.

Ab 1823 wurde die Stadt ein Teil des Königreiches Ungarn, wobei italienisch als Verwaltungssprache beibehalten wurde. Nach der Oktroyierten Märzverfassung 1849 erhielt Fiume eine weitreichende Autonomie. Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 wurde die Küstenstadt zur "Freien Stadt" unter ungarischer Verwaltung. Damit war sie rechtlich einem Kronland gleichgestellt. Wenige Jahre vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde die Autonomie allerdings eingeschränkt und 1913 außer Kraft gesetzt. Während des 1. Weltkrieges versprach die Triple Entente Italien, für dessen Kriegseintritt, Gebiete des österreichischen Küstenlandes inklusive Istriens sowie Teile Dalmatiens, nicht aber Fiume.

Nach dem Abzug des österreichischen Armeekorpses wurde die Stadt im November 1918 von alliierten Soldaten besetzt. Der Plan der Siegermächte und der italienischen Regierung war es, Fiume zu einer freien Stadt unter Völkerbund-Aufsicht zu machen. Durchkreuzt wurde dieses Vorhaben vom Schriftsteller Gabriele D'Annunzio. (Er nahm als Flieger am Ersten Weltkrieg teil, wurde bekannt, als er 1918 über Wien aus einem selbstgesteuerten Doppeldecker Flugblätter abwarf). Mit einem Freikorps besetzte er im Dezember 1919 Fiume und forderte deren Anschluss an Italien. Mit theatralischen Massenaufmärschen in Fiume hatten D'Annunzio und seine Anhänger Vorbildwirkung für die späteren faschistischen- und nationalsozialistischen Inszenierungen. Ende 1920 beendete die italienische Armee D'Annunzios skurrile Herrschaft.

1924 wurde der Freistaat Fiume aufgelöst. Die Stadt viel an Italien, das Hinterland mit dem Ort Susak an das SHS Königreich (Jugoslawien). Die Machtübernahme der italienischen Faschisten förderte die Italienisierung, die nach der deutsch-italienischen Besetzung Jugoslawiens ab 1941 noch weiter zunahm. Nach der Kapitulation Italiens 1943 geriet die Stadt bis zum Kriegsende unter deutsche Besatzung.

Der italienische Bevölkerungsanteil betrug damals etwa 80 Prozent, dennoch wurde Fiume nach dem Krieg dem kommunistischen Jugoslawien zugeschlagen. In der Folge wanderten etwa 300.000 Italiener, vor allem aus dem Gebiet der nunmehr Rijeka genannten Stadt, mehr oder weniger freiwillig aus.

Nach der Unabhängigkeit Kroatiens und dem darauffolgenden Krieg verließ ein Großteil der serbischen Bevölkerung die Stadt. Im Jahr 2000 erhielt Österreich, ein Jahr später auch Ungarn, einen Freihafen in Rijeka. Heute leben 82,5 Prozent Kroaten, 6,5 Prozent Serben, 2 Prozent Bosnier und nur noch 1,9 Prozent Italiener in der Stadt.

Service

Podcast abonnieren

Sendereihe

Gestaltung

  • Andreas Wolf