Nackter Oberkörper

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Gedanken für den Tag

Ethische Kritik unserer gängigen KörperMORAL

von Barbara Maier, Vorständin der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinik Ottakring in Wien

Die Erneuerung von Kultur und Gesellschaft kann nur dadurch geschehen, dass Kultur und Gesellschaft wieder die Angelegenheit denkender Menschen mit Verantwortung werden. Um einen gesunden Körper und eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln, braucht es Kulturkritik, kritische Evaluierung von problematischen Inkulturationen durch Familie, Freunde, Religion, Schule, Job, etc.

Nach dem Arzt und Theologen Albert Schweitzer, hat sich die Ethik mit drei Gegnern auseinanderzusetzen: mit der Gedankenlosigkeit, mit der egoistischen Selbstbehauptung und mit der Gesellschaft.

Ethische Kritik ist an vorherrschender KörperMORAL, oft auch gesteuert durch eine KörperINDUSTRIE notwendig. Falsche Normen verursachen Unglück, Körperhass und Körperscham, weil man einem normierten vermeintlichen Schönheitsideal nicht entsprechen kann. Viele solcher Normen sind zudem ungesund, ja krankmachend.

Besonders der Frauenkörper wird solcher KörperMORAL als einem Konstrukt, mit dem es sich nicht mehr leiben und leben lässt, unterworfen. Beispiele dafür sind die Aplanierung, die Einebnung der Monats- und Lebenszyklen, Schamlippenkorrekturen und andere sogenannte Schönheitsoperationen. Es geht um Schlankheitswahn wie Mehrgewichtigkeit als Protest gegen soziokulturelle Normierungen. Ethische Kriterien sollten aber die Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden sein.

In unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung ist Reproduktion weiblich, ist Schönheit weiblich, Alter(n) weiblich. Das macht großen Druck auf Frauen und ihre Körper. Es sind die Körper, die zählen, so die Philosophin und Feministin Judith Butler besonders für die weibliche Identität. Diese wird über ein körperliches Selbstverhältnis konstruiert.

Judith Butler beschreibt das Subjekt als ein Ergebnis von Körperinszenierungen. Ich bin das Ergebnis meiner körperlichen Performances, meiner Erscheinung, meines Verhaltens, meiner Leistungsfähigkeit, meiner Darbietungen, Aktionen, etc. Als solcher ist der Körper ein kulturelles, politisches Konstrukt und bestimmt maßgeblich, wer wir sind.

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Richard Strauss 1864 - 1949
Titel: Duett Concertino für Klarinette, Fagott, Streichorchester und Harfe
* Rondo, allegro ma non troppo - 3.Satz (00:09:00)
Solist/Solistin: Manfred Weise
Solist/Solistin: Wolfgang Liebscher
Orchester: Staatsorchester Dresden
Leitung: Rudolf Kempe
Länge: 09:00 min
Label: EMI 7696612

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