Ringelnatter

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Punkt eins

Schlangen: faszinierend, gefürchtet, gefährdet

Was man für den Schutz von Schlangen in Österreich tun kann. Gast: Dr. Silke Schweiger, Zoologin, Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin, Naturhistorisches Museum Wien. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Mit den steigenden Frühlingstemperaturen beenden Ringelnatter, Kreuzotter und Co. ihre Winterstarre und suchen nach sonnigen Plätzen, um sich aufzuwärmen - und werden damit wieder "sichtbar". Bei Menschen lösen Schlangen unterschiedliche Reaktionen aus: Die einen verbinden sie mit Gefahr und Ekel, für andere sind diese scheuen Tiere faszinierend, wunderschön und spannend.

So widersprüchlich und unterschiedlich ist auch die Symbolik des Reptils zwischen Leben und Verjüngung einerseits und Tod und Verderben andererseits. Schon in der Steinzeit war die Schlange ein beliebtes Motiv in Felszeichnungen; sie ist Begleiterin des griechischen Gottes der Heilkunst und im Volksglauben bringt eine Äskulapnatter Glück und Segen für Haus und Hof. In alter biblischer Tradition ist sie die hinterlistige Verführerin. Laut chinesischem Kalender befinden wir uns im "Jahr der Schlange". Als eines von zwölf Tierkreiszeichen steht sie dort für Weisheit, Scharfsinnigkeit und Eleganz.

Sieben Schlangenarten kommen in Österreich vor, wo sie - von den Gewässern bis zu Gebirgsregionen - unterschiedliche Lebensräume erobert haben. Bei ihrer Vielseitigkeit haben sie eines gemeinsam: Alle Arten sind geschützt, einige stark gefährdet. Die Wiesenotter, Europas kleinste Giftschlange, gilt in Österreich als verschollen. Sie war in Niederösterreich, Wien und im Burgenland heimisch und wurde zuletzt in den 1970er-Jahren gesichtet. Akut vom Aussterben bedroht ist die Hornotter, die nur mehr in abgelegenen Bergregionen im Süden des Landes zu finden ist.

Am stärksten gefährdet sind Schlangen durch die Verbauung und den Verlust ihrer Lebensräume. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen, indem sie etwa die Nagetier-Population unter Kontrolle halten. Für Menschen hingegen stellen sie kaum eine Gefahr dar. Kreuzotter und Hornotter sind die einzigen Giftschlangenarten in Österreich und beißen meist nur zu ihrer Verteidigung. Da Schlangen auf Bodenerschütterungen reagieren und oft die Flucht ergreifen, bevor sie von Menschen bemerkt werden, kann eine Sichtung als Glücksfall bezeichnet werden.

Fälle, die für die Forschung wichtig sind. Um mehr über Vorkommen und Verbreitung von Amphibien und Reptilien in Österreich zu erfahren, ist die Mithilfe aus der Bevölkerung gefragt. Wer eine Schlange sieht, kann dies über Plattformen wie http://www.herpetofauna.at mit einem Foto online melden. Diese Informationen werden ausgewertet und in der Herpetofaunistischen Datenbank des Naturhistorischen Museums Wien gesammelt. Für Fragen und Fundmeldungen steht Dr. Silke Schweiger, Kuratorin der Sammlung für Amphibien und Reptilien im NHM, als Kontaktperson zur Verfügung.

Sie ist auch Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie, die sich besonders dafür einsetzt Vorurteile über Schlangen abzubauen und die Tiere der Bevölkerung näher zu bringen. Schweiger ist zu Gast in Punkt eins bei Marina Wetzlmaier und spricht darüber, woher die Angst vor Schlangen kommt, warum diese Tiere schützenswert sind und was man gegen ihre Gefährdung tun kann.

Rufen Sie an unter 0800 22 69 79 (kostenfrei innerhalb von Österreich) oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(a)orf.at

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