Wien 1945-1955 Besatzungszeit. Siegesparade der Alliierten am Schwarzenbergplatz. 8. Mai 1952

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Radiokolleg Spezial

Wie Österreich neu formiert wurde (1)

Nationbuilding in der Politik

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Österreich vor der Herausforderung "Nationbuilding" zu betreiben. Das Radiokolleg beleuchtet in sechs Folgen (22.4. bis 30.4.), wie aus Ruinen ein neuer Staat aufgebaut wurde. In der ersten Folge geht es um die Gründungsmythen, welche Rolle die Alliierten bei der Schaffung des politischen Systems spielten, was der Prozess der Entnazifizierung bewirkte und wer die geistigen Väter der Zweiten Republik waren.

Der Geist der Lagerstraße
Am 21. April 1945 war der Zweite Weltkrieg in Wien zu Ende, wenige Tage später in ganz Österreich. Bereits am 27. April bildete sich aus politischen Kräften, die im Untergrund, im KZ oder im Exil überlebt hatten, eine provisorische Allparteienregierung. Wer waren die Akteure auf Seiten der Alliierten und aus Österreich?
Gestaltung: Sabine Nikolay

Was hat "Nationbuilding" mit der Zweiten Republik zu tun?
Laut Definition ist Nationenbildung ein Prozess sozio-politischer Entwicklung, der aus locker oder auch strittig verbundenen Gemeinschaften eine gemeinsame Gesellschaft mit einem ihr entsprechenden Staat werden lässt. Als das Nationalbewusstsein der Österreicher:innen erstmals 1956 erhoben wurde, glaubten weniger als die Hälfte der Befragten, dass Österreich eine eigene Nation sei.
Wolfgang Ritschl stellt dem Historiker Oliver Rathkolb die Frage: Wie lässt sich Nationbuilding auf die Entstehung der Zweiten Republik anwenden?

Alliierter Blick auf Österreich
Bis 1955 war Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Ein junger Staat mit einer Bevölkerung, die sich mehrheitlich als Deutsche sah. Zum Missfallen der Alliierten: sie wünschten sich ein von Deutschland unabhängiges Österreich. Welche Bedeutung die Russen, Franzosen, Amerikaner und Engländer für das Nationbuilding hatten, beschreibt Ute Maurnböck.

Der Geist von Glasenbach
Was tun mit den überzeugten Nationalsozialisten? Sie mussten aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Nicht nur Kriegsverbrecher, sondern Funktionsträger wie Ortgruppenleiter, aber auch BDM-Führerinnen wurden genauso wie SSler und Angehörige der Wehrmacht im Lager Glasenbach in Salzburg und in Wolfsberg in Kärnten interniert. Das Nationalsozialistengesetz verhinderte, dass die "Belasteten" sofort wieder an Einfluss gewannen. Welchen Einfluss die Entnazifizierung auf den Prozess des Nationbuildungs hatte, erkunden Ulrike Schmitzer und Jakob Steiner.

Die guten Geister der Zweiten Republik
Das neue Österreich musste erst neu erfunden werden. Der Sozialdemokrat Karl Renner stand ebenso an der Wiege der jungen Republik wie katholische Denker vom Rang eines Friedrich Heer oder der kommunistische Schriftsteller Ernst Fischer. Welche Gräben mussten sie überwinden und welche Werte begründen die Fundamente der Zweiten Republik? Martin Haidinger bringt einen Überblick.

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