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Radiokolleg Spezial
Wie Österreich neu formiert wurde (4)
Nationbuilding durch Wiederaufbau
28. April 2025, 09:05
Die Erfolgsgeschichte der Zweiten Republik ist eng mit dem Wirtschaftsaufschwung der 1950er Jahre verknüpft. Die Wiederaufbauzeit gilt als "heroische Phase". Das Radiokolleg beleuchtet ab 22. April in sechs Folgen, wie aus Ruinen ein neuer Staat aufgebaut wurde. In Folge vier geht es um den österreichischen Weg mit Marshall-Plan und Sozialpartnerschaft sowie den Aufbau einer Konsensdemokratie. Identitätsstiftend sind auch der Tourismus in der Alpenrepublik und die Klein- und Mittelbetriebe.
Dabei gewesen
Während sich Friedrich Gulda in Erdberg in einem ungeheizten Zimmer ohne Fensterscheiben auf seinen ersten internationalen Klavierwettbewerb vorbereitete (den er gewann), parzellierte die Wiener Stadtverwaltung den Heldenplatz, wo auf den kleinen Feldern Kartoffeln und anderes angebaut werden konnte. Milch holte man sich von Bauern aus dem Weinviertel. Die Bahntraße nach Enzersfeld war tatsächlich nicht beschädigt und so konnte die "Versorgung" beginnen. Bereits ab dem Sommer 1946 wurden Stadtkinder aufs Land geschickt, um aufgepäppelt zu werden.
Gestaltung: Sabine Nikolay
"Der Marshallplan war eine Politik der Hoffnung"
Die Sieger haben erkannt, dass es besser ist, die Verliererstaaten aufzupäppeln, als sie darben zu lassen, wie das nach dem Ende des Ersten Weltkriegs der Fall war. "Ohne amerikanische Hilfe hätte es in der unmittelbaren Nachkriegszeit zigtausende Hungertote in Österreich gegeben", sagt der Historiker Hans Petschar, der mit Günter Bischof, ein Buch über die Auswirkungen des Marshallplans geschrieben hat. Wolfgang Ritschl hat sie interviewt.
Der österreichische Weg
Marshall-Plan, Sozialpartnerschaft und das Proporzsystem zwischen Rot und Schwarz machten den Aufbau einer Konsensdemokratie möglich. Bevor es so weit war, mussten manche Probleme gemeistert werden: was tun mit dem schweren Erbe der Diktatur? Wie geht man mit Kriegsreparationen an die UdSSR um, und was verstand man unter "deutschem Eigentum"?
Gestaltung: Martin Haidinger, Jakob Steiner
Der Tourismus bringt Wohlstand
36 Milliarden Euro: So viel spülte der Tourismus 2022 in die Kassen österreichischer Betriebe. Insgesamt erwirtschaften die Branchen "Fremdenverkehr und Freizeit" 14 Prozent des heimischen Bruttoinlandsprodukts. "Urlaub bei Freunden": Seit der Wiedererrichtung Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Tourismus - Stichwort: die Alpenrepublik als Gastgeberland - eine der tragenden Säulen österreichischer Identität.
Gestaltung: Günter Kaindlstorfer
Das Land der Klein- und Mittelbetriebe
Heimat bist du kleiner Firmen: 99 Prozent aller Unternehmen in Österreich sind Klein- und Mittelbetriebe. Sie bilden das Rückgrat des heimischen Wirtschaftslebens. Einige dieser KMUs sind sogar so etwas wie Bannerträger der österreichischen Identität geworden - von den Wafferln der Firma "Manner" bis zur "Almdudler"-Limonade.
Gestaltung: Günter Kaindlstorfer