AFP/STAN HONDA
Gedanken für den Tag
Feiner Pinselstrich
Brigitte Schwens-Harrant, Autorin und Feuilleton-Chefin der "Furche", zum 250. Geburtstag von Jane Austen
20. Dezember 2025, 06:57
Blümchen, Rosen und Pastellfarben: Damit sind viele Bücher von Jane Austen gestaltet, die man heute kaufen kann. Was signalisiert so eine Aufmachung? Jede Menge Klischees, nach dem Motto: Hier finden Sie etwas Sanftes, etwas Softes; hier gibt es Romantik, einen kitschigen Liebesroman.
Dabei lacht einem, wenn man die Bücher aufschlägt, sofort Austens kluge Ironie entgegen. Ihre Romane zeigen ungeschönt die Rolle der Frau in der englischen Mittelschicht Anfang des 19. Jahrhunderts. Austen thematisiert die gesellschaftlichen Erwartungen - und die Spannungen und Konflikte, die das für Frauen damals bedeutete.
Die soziale Welt erscheint "als ein Jahrmarkt der Eitelkeit, der Selbstsucht, Gedankenlosigkeit und Dummheit", schreibt Austen-Übersetzer Christian Grawe in seiner Biografie über die englische Schriftstellerin. "Es hat lange gebraucht, bis diese sozialkritische Dimension ihres Werkes beim breiteren Leserkreis wahrgenommen wurde, weil seine heitere Oberfläche und die Happy Ends dazu verleiten, die bitteren und bösen Töne darin zu überhören."
Und niemand Geringerer als ihr Zeitgenosse und der Meister des Geschichtsromans, Walter Scott, notierte in seinem Tagebuch lobend und selbstkritisch: "Die junge Dame hatte ein Talent, die Probleme und Gefühle alltäglicher Charaktere zu schildern, wie ich es so ausgeprägt noch nie erlebt habe. Das aufwendige Wau-Wau-Gebelle beherrsche ich wie heutzutage jeder andere auch, aber der feine Pinselstrich, der gewöhnliche, unbedeutende Dinge und Menschen durch die Wahrheit der Beschreibungen und Empfindungen interessant macht, ist mir versagt. Wie schade, dass ein so begabtes Geschöpf so früh gestorben ist."
Service
Brigitte Schwens-Harrant, "Blümchen oder Die Spur des Geldes. Über Jane Austen". In: "Anton Thuswaldner (Hg.): 'GegenKanon. Bücher, die auf der Strecke bleiben, und solche, die auf der Strecke bleiben sollten'", Müry Salzmann 2022
Christian Grawe, "'Darling Jane'. Jane Austen - eine Biographie", Reclam 2010
Brigitte Schwens-Harrant, "Blümchen oder Die Spur des Geldes. Über Jane Austen". In: "Anton Thuswaldner (Hg.): 'GegenKanon. Bücher, die auf der Strecke bleiben, und solche, die auf der Strecke bleiben sollten'", Müry Salzmann
Jane Austen, "Lady Susan". Illustriert von Annabelle von Sperber. Insel-Bücherei
Jane Austen, "Emma. Stolz und Vorurteil. Verstand und Gefühl". Reclam
Jane Austen, "Pride and Prejudice". Insel Verlag
Podcast abonnieren
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Patrick Doyle geb.1953
Vorlage: Jane Austen 1775 - 1817
Gesamttitel: SENSE AND SENSIBILITY / Original Filmmusik
Titel: Weep you no more sad fountains
Anderer Gesamttitel: SINN UND SINNLICHKEIT / Original Filmmusik
Solist/Solistin: Jane Eaglen
Orchester: Filmorchester
Leitung: Robert Ziegler
Länge: 03:05 min
Label: Sony Classical SK 62258
