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Gedanken für den Tag
Hildegard Knef in Hollywood
Lilian Klebow, Schauspielerin, zum 100. Geburtstag von Hildegard Knef
2. Jänner 2026, 06:57
Hilde Knef war der erste Nachkriegsstar in Deutschland, spielte im neu eröffneten Schlossparktheater, dann beim Film. Sie spielte ihre ersten Rollen in echter Kulisse, in den Trümmern Berlins. Stark, erdnah, unkitschig. In Hosen. In Realität. Erschuf einen neuen Typ Frau. Im 50er-Jahre-Kitsch war dann kein Platz mehr für sie.
Sie ging dann 1948, zu einer für eine Deutsche damals unmöglichen Zeit, nach Hollywood und traf sie alle, von Marylin Monroe bis Marlene Dietrich. Kein Konkurrenzdenken. Sie befreundete sich. Sie war bei den größten Hollywoodproduzenten unter Vertrag, wie bei David O. Seznick, widersetzte sich, kämpfte um ihren Namen, auch wenn der Stern in West Hollywood "Hildegard Neff" statt "Knef" schreibt. Aber doch immerhin nicht "Gilda Christian", wie der große Selznick es wollte.
Sie blieb immer sie. War nie gefällig, ging, stieg aus Verträgen aus. Stand vor dem Nichts. Bekam neue Verträge. Ging zurück nach Deutschland und löste 1952 mit "Die Sünderin" mit einer Nacktszene, die heute niemand als solche bemerken würde, einen Skandal aus. Aber sie füllte Kinosäle. Monatelang ein Riesenerfolg. Also: wieder Hollywood, dann New York. Spielte als erste Deutsche am Broadway, 475 Vorstellungen von Cole Porters "Silk Stockings" unverstärkt mit großem Orchester. Wurde zum "ausdrucksstärksten Gesicht des Broadway" gekürt. "Ich habe nie eine Mittellage gehabt. Entweder ganz großen Erfolg oder ganz bedeutenden Misserfolg!"
Sie wurde die erste große deutsche Chansonnière. Ella Fitzgerald nannte sie "Die größte Sängerin ohne Stimme". Die beiden trafen sich in Hollywood - aber ob das genauso war oder eine der berühmten Knef-Anekdoten? Sie sang Jacques Brels "Amsterdam" auf Deutsch, braver als sie jünger war und lebensweise-düster 1984. Sie kam mit Brecht/Weills "Mackie Messer" in die Charts und singt auch in der Kinoverfilmung der "Dreigroschenoper" Pollys "Seeräuber-Jenny".
Schrieb dann eigene großartige Liedertexte mit größtem Erfolg. Nur scheinbar leichtfüßig kommen ihre tiefgründigen Texte daher. Sie sind erstaunlich allgemeingültig, obwohl so knefisch persönlich. Dringen tief in Gedanken ein, sprechen aus der Seele, berühren, verstören, trösten und sprechen von viel Liebe zum Leben und viel Gesehenem. Von großer Weisheit und Witz. Eben echt Knef.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Jacques Brel 1929 - 1978
Bearbeiter/Bearbeiterin: Kai Rautenberg
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Ernst Rudolf Altena
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Werner Schneyder
Album: ICH BIN DEN WEITEN WEG GEGANGEN / HILDEGARD KNEF
Titel: Amsterdam/live
Untertitel: CD 4 : 1979-1999
Solist/Solistin: Hildegard Knef
Leitung: Kai Rautenberg
Ausführende: Unbekannt
Ausführender/Ausführende: Hildegard KNEF 28.12.1925 Ulm - 1.2.2002 Berlin
Länge: 01:00 min
Label: Universal 9834878 (4-CD-Box)
