PICTUREDESK.COM/DPA/HORST OSSINGER
Gedanken für den Tag
Hildegard Knef und der geschenkte Gaul
Lilian Klebow, Schauspielerin, zum 100. Geburtstag von Hildegard Knef
3. Jänner 2026, 06:57
Die Knef war eine Frau, die Grenzen überschritt. Manchmal hatte man einfach das Gefühl, sie lebte dafür, sie zu überschreiten und daran zu wachsen. Sie überschritt auch Konventionen und wurde ihr eigenes Wunder.
"Ich bin eine Überlebenskünstlerin, aber niemand überlebt das Leben!", sagte sie im typisch klar-klugen schnoddrigen Knef-Stil. Schreiben lernte sie im Exil, als die erste Deutsche in Hollywood, bei Ludwig Marcuse. Und so erfand sie sich 1970, knapp 25 Jahre später, wieder neu und wurde Buchautorin - aber gemäß dem Knef Motto "Alles oder nichts" - die erfolgreichste seit 1945 in Deutschland. Ihr Buch "Der geschenkte Gaul", ihre autobiografischen Erinnerungen, verkauften sich weltweit über drei Millionen Mal und schlugen damals alle männlichen Autoren in den Bestsellerlisten.
1975 veröffentlichte sie "Das Urteil" - und brach erneut ein Tabu: Sie schrieb in einer Zeit, in der das niemand tat, über ihre Brustkrebserkrankung - offen und ehrlich - "Alles, was ich bei diesem Buch überwinden musste, war meine Eitelkeit. Kein hoher Preis, wenn man bedenkt, dass manche Autoren ihre Freiheit und ihr Leben opferten, um das zu sagen, was gesagt werden muss."
Selbst mit der Geburt ihrer Tochter "Tinta" lehrte sie ein weiteres Mal die damalige Zeit ihren Mut und ihre Unkonventionalität. Sie wurde mit knapp 42 Jahren das erste Mal Mutter und sagt: "Das war das wichtigste Ereignis meines Lebens". Christina und sie waren "Tigermama" und "Tigertochter" - tiefe Verbundenheit, große Liebe, obwohl die Knef gleichzeitig ihre Gesangskarriere weiterlebte. Und schon wieder das vorherrschende Mutterbild ankratzte. Sie erlaubte sich noch 2000 Wut in einer Talkshow: "Ich war keine gute Mutter? Das verbitte ich mir! Jetzt werde ich böse! Oh Donnerwetter". Ja, hätte man so etwas je einem Mann vorgeworfen? Ich glaube nein!
Sieht man Interviews, erlebt man eine faszinierende Klarheit und Direktheit. Einen Witz, einen spontanen Humor und große Verletzbarkeit, die hinter einem rauen, starken Äußeren und dieser ausdrucksstarken, rauchigen Stimme dennoch immer zu spüren sind. Sie war ihrer Zeit, die noch viel an starren Frauenklischees festhielt, weit voraus. Sie überwand trotzdem jegliche Grenzen, aus sich heraus. Sie war "A Woman and a half". Sie war im Gestern eine Frau von morgen. Sie ist und bleibt ein großes Vorbild.
