Suzanne Jerosme

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Vorgestellt

Barocke, weibliche Oratorien wiederentdeckt

"Il genoroso cor": Die Sopranistin Suzanne Jerosme und das Ensemble Il Gusto Barocco auf den Spuren der Komponistinnen Camilla de Rossi und Maria Margherita Grimani

1703 erschüttern zwei Erdbeben die Stadt Rom. Für den Papst Clemens XI. ein klares Zeichen, dass das christliche Abendland, allen voran die Ewige Stadt, für seine Sünden bestraft wird. Clemens verbietet Wetten, Spiele, unmoralisches Verhalten aller Art, darunter auch die Oper. Aber die Römer wollen ihre Musik und finden einen Weg: das Oratorium wird zur Gattung der Wahl.

Eine Entwicklung, die sich von Italien kommend auch in Wien niederschlägt. Hier kommt ein Oratorium auf etwa drei Opern. Vor allem die Kaiser Leopold I. und Karl VI. versuchen beinahe krampfhaft, die kulturelle Vorherrschaft innerhalb der europäischen Höfe nicht zu verlieren und stecken riesige Beträge in die panegyrische Musikproduktion. So kommt es, dass auch begabte Komponistinnen beauftragt werden, obwohl diese sonst in der Hofmusikkapelle nicht zugelassen sind. In Wien kommen Camilla de Rossi und Maria Margherita Grimani zum Zug. Zwei Zeitgenossinnen von Alessandro Scarlatti, in dessen Schatten ihre Musik auch lange Zeit stand.

Nun sind sie zu dritt auf der CD "Il generoso cor" des Ensembles Il Gusto Barocco und der französischen Sopranistin Suzanne Jerosme vereint. Jerosme hat mit Bedacht Ausschnitte der Oratorien von de Rossi, Grimani und Scarlatti (darunter auch Weltersteinspielungen) ausgewählt, und interpretiert sie auf eine feine, intime Art, in der man behutsam eintauchen kann in die Welt der Heiligen.

Service

Aktuelle Aufnahme:

"Il genoroso cor"
Arien und Sinfonien aus Oratorien von Camilla de Rossi, Maria Margherita Grimani und Alessandro Scarlattis
Ausführende: Suzanne Jerosme (Sopran), Il Gusto Barocco, Jörg Halubek (Leitung)
Label: Aparté

Sendereihe

Gestaltung

  • Rudolf Aigmüller