Öltanker

PA/AFP/DAMIEN MEYER

Punkt eins

Tanker auf politischem Kollisionskurs

Konflikte um Öltransporte und militärisches Kräftemessen auf den Meeren. Gast: Dr. Jeremy Stöhs, ACIPSS (Graz) und Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Bei den US-Angriffen auf Venezuela und den neuerlichen Drohungen gegen Grönland gehe es nicht zuletzt um die Kontrolle der Energiereserven in der westlichen Hemisphäre - das sagte US-Botschafter Michael Waltz letzte Woche vor dem UN-Sicherheitsrat. Mitglieder der US-Administration hatten zuvor schon betont, sich die Ölreserven sichern zu wollen, und am Dienstag hatte Trump angekündigt, Schiffe mit venezolanischem Öl würden demnächst US-Häfen anlaufen, statt nach China zu fahren.

Bereits Mitte Dezember hatten die USA eine Seeblockade gegen "sanktionierte" Öltanker rund um Venezuela angekündigt. Eine große US-Flotte operiert in dem Gebiet. Schon Ende des abgelaufenen Jahres waren mehrmals Tanker vor der Küste Venezuelas von den USA "beschlagnahmt" worden. Venezuela warf den Vereinigten Staaten daraufhin einen "Akt internationaler Piraterie" vor. Eine "Verletzung des Seerechts" sah auch Moskau in der spektakulären Festsetzung eines leeren Tankers am Mittwoch. Das Schiff, das schon seit Wochen unter Beobachtung der USA gestanden war, konnte laut Berichten der Blockade "entkommen" und wurde schließlich im Nordatlantik von einem US-Hubschrauber aus geentert. Zuvor hatte das Schiff während der Fahrt noch seine Bezeichnung geändert und sich als russisch identifiziert; ein zweites Schiff, das zeitgleich in der Karibik ebenfalls von den USA beschlagnahmt wurde, gilt als staatenlos. Beide stehen unter Verdacht, zu einer "Schattenflotte" zu gehören, die sanktionswidrig Öl für Russland, Iran oder die Hisbollah transportiert.

Die Zeichen stehen auf Eskalation. Die russische Marine hatte übereinstimmenden Berichten ein U-Boot und weitere Schiffe der Marine entsendet, um den von den USA sanktionierten Öltanker zu eskortieren. Großbritannien wiederum unterstützte die US-Operation unter Verweis auf die Iran-Sanktionen; Europa hat seit geraumer Zeit seine eigenen Probleme mit der "Schattenflotte", die auch immer wieder in Verdacht steht, Sabotageakte in der Ostsee zu verüben.

Die Schifffahrtsrouten ganz im Norden standen indessen im Zentrum von internen Besprechungen der NATO am Donnerstag, von denen das Portal "Politico" erfuhr. Es sei beschlossen worden, Überwachung und Militärpräsenz in der Region stark zu erhöhen. In Punkt eins am Donnerstag erläuterte die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub, Forschungsdirektorin der NATO-Militärakademie in Rom, die Bedeutung der Arktis und ihre geopolitische Relevanz.

Trump wiederum hatte zuvor behauptet, Grönland sei von einer Unzahl "russischer und chinesischer Schiffe" umgeben. Expert:innen widersprachen dieser Darstellung - gemeinsame Aktivitäten Moskaus und Pekings gebe es, sie seien aber weiter östlich konzentriert. Unbestritten ist, dass auch potentielle Handelswege in der Arktis die "nationalen Interessen" der Großmächte neu definieren. 2025 ist erstmals ein Containerschiff über die Nordostpassage entlang der russischen Küste im Arktischen Ozean den ganzen Weg von China nach Großbritannien gefahren. Die "Istanbul Bridge" hatte übrigens kein Rohöl, sondern andere Energieträger an Bord - hauptsächlich Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaikprodukte für Europa.

Beginnt ein neuer globaler Konflikt gerade auf den Weltmeeren? Wie interpretieren die Staaten dies- und jenseits des Atlantiks neuerdings ihre wirtschaftlichen und Sicherheitsinteressen, welche Mittel halten sie dafür für legitim, und was sind die möglichen Konsequenzen? Zu Gast bei Xaver Forthuber ist Jeremy Stöhs, er ist stellvertretender Direktor des Austrian Center for Intelligence, Propaganda and Security Studies (ACIPSS) in Graz sowie Senior Fellow am Institut für Sicherheitspolitik Kiel. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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