Konjunktiv steht mit Kreide auf den Boden geschrieben

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Österreich und der Konjunktiv

"I tät jetzt einkaufen gehen": Über die Wirklichkeit einer Möglichkeit

Um den Konjunktiv kommt man in Österreich nicht herum. Wir verwenden ihn nicht nur, um Wünsche oder etwas Irreales auszudrücken. Er ist die Höflichkeitsform schlechthin. Der Konjunktiv schwächt ab, wirkt indirekter, Meinungen lassen sich damit relativieren und Kritik weich abfedern: "Das würde ich an deiner Stelle noch einmal überdenken."

Während man in Deutschland einen direkteren Sprachstil pflegt, bleibt man in Österreich gerne unverbindlich. Es könnte sich ausgehen. Die Vermeidung des Indikativs ist mehr als eine grammatikalische Konstruktion. Der Konjunktiv eröffnet einen Raum für all das, was sein könnte. Robert Musil sprach vom Möglichkeitssinn.

"Der Konjunktiv ist in Österreich nicht wichtiger als die Wirklichkeit. Der Konjunktiv ist die österreichische Form der Wirklichkeit", meinte einmal der Kabarettist Günther Paal. Hätte ich, so wäre ich - der Konjunktiv als Ausdruck einer Lebenshaltung. Auf den Spuren eines österreichischen Kulturguts.

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