APA/DPA/OLGA GUBSKAYA
| doublecheck - das Ö1 Medienmagazin |
Die Banalität auf der Agenda
Wenn die größte Tageszeitung das Neue Jahr mit einer Umfrage beginnt, die die Zustimmung zu früheren Politikern wie Sebastian Kurz und Christian Kern abfragt, dann ist das Österreich. Es ist aber nicht nur der Boulevard, der immer wieder die Banalität auf die Agenda setzt, auch "Der Spiegel" macht mit und der "Falter" und andere. #doublecheck fragt nach, warum Journalisten so gern Gerüchten und Tratsch gegenüber Sachpolitik den Vorzug geben.
15. Jänner 2026, 18:25
Kurz klickt nicht mehr so gut wie einst, aber noch gut genug, dass jeder Auftritt und jedes Gerücht sofort online gehen. Zuletzt ein Besuch bei der CSU in Bayern. Das Hamburger Nachrichtenmagazin fasziniert, dass sich der Ex-Politiker so rasch im Geschäftsleben neu erfunden hat. Journalistinnen in Österreich sind überzeugt, dass die Politik für Kurz und Kern ein "Unfinished Business" ist und mit beiden daher zu rechnen sei. Die "Kronen Zeitung" wiederum nützt die Kern-Reminiszenz in der SPÖ ziemlich unverhohlen für eine Kampagne gegen den amtierenden Parteichef und Vizekanzler. Andere wiederum - wie Karin Zauner, die neue Chefredakteurin der "Salzburger Nachrichten" - sehen die Sache entspannt. Wobei auch sie zugibt: Entziehen kann man sich dem Kurz-Kern-Getöse nur schwer.
Journalisten im Ermittler-Modus
Wenn einer der mächtigsten Beamten des Landes tot an einem Donau-Ufer aufgefunden wird, dauert es nicht lang, bis sich die ersten Mythen verbreiten. Hat Christian Pilnacek wirklich Suizid begangen, wie die Ermittler schnell festgestellt haben? Und wie sauber haben Polizei und Justiz tatsächlich gearbeitet? Diese Fragen beschäftigten nicht nur den gerade gestarteten parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Causa, sondern auch zahlreiche Journalisten, die zum Teil selbst mitten im Fall stecken. Das Besteller-Buch über Pilnaceks Ableben von Ex-Politiker Peter Pilz erzählt die große Verschwörung, wird aber mit Klagen überzogen. Auch renommierte Investigativjournalisten wie Michael Nikbakhsh sehen viele offene Fragen, während sich andere Kollegen lieber nüchtern auf die Fakten beziehen und warnen, den Fall aufzubauschen.
Berichterstattung im Trump-Modus
Ob es die offensichtlichen Hitler-Grüße von Elon Musk bei einer MAGA-Veranstaltung vor knapp einem Jahr waren oder jetzt die tödlichen Schüsse eines ICE-Agenten auf Renée Good in Minneapolis, die durch Videos gut dokumentiert sind und niemals Notwehr gewesen sein können: Selbst seriöse Medien tun sich offensichtlich schwer damit, die Dinge beim Namen zu nennen und nehmen die Verdrehungen der Wahrheit durch US-Präsident Donald Trump und sein Umfeld immer noch ernst. Der deutsche Medienjournalist René Martens hat das anhand von Berichten zum Fall Good gezeigt, und auch die Berichterstattung in Österreich dazu war gelinde gesagt verhalten.
Gestaltung: Rosanna Atzara und Stefan Kappacher
