ZSOLNAY VERLAG/HERIBERT CORN
Gedanken für den Tag
Über die Grenzen der Welt
Susanne Gregor, Schriftstellerin, über Sprache und Wahrnehmung
17. Jänner 2026, 06:57
"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt", ist ein Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein, der sich unter anderem mit dem Verständnis von Sprache beschäftigte. Er sagt, dass die Wahrnehmung der Realität durch Sprache bestimmt wird. Wenn wir für bestimmte Erfahrungen keine Worte haben, fällt es uns schwer, sie zu begreifen. Erweitern wir unsere Sprache, erweitert sich unser Verständnis der Welt.
In diesem Sinne ist das Erlernen neuer Wörter und Ausdrucksweisen auch immer ein Schritt zu tieferem Verständnis. Unterschiedliche Sprachen haben unterschiedliche Werkzeuge zur Orientierung. Das Deutsche legt in seiner Grammatik Wert auf Klarheit in der Satzstruktur und präzise räumliche Orientierung. Das Englische betont stärker die zeitlichen Abfolgen und im Slowakischen mit seinen vielen Fällen weiß man in jedem Satz genau, in welcher Beziehung Dinge und Menschen zueinanderstehen.
Sprache ist also nicht einfach ein Werkzeug, sondern ein Rahmen, in dem wir unsere Welt verstehen. Und dieser Rahmen sieht in jeder Sprache anders aus. Wer mehrere Sprachen kennt, lernt deshalb auch mehrere Arten kennen, die Wirklichkeit zu ordnen, hat verschiedene "Linsen", durch die er die Welt wahrnimmt - und kann unterschiedliche Denkmuster nutzen, neue Sichtweisen entdecken und die Welt vielschichtiger erleben.
Je mehr Sprachen ein Mensch beherrscht, desto schwerer lässt er sich auf eine einzige Sichtweise festlegen. Oder anders gesagt: desto weniger kann ihm das Gehirn gewaschen werden.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Philip Glass
Album: Mantra Mix
COMPASSION IN EXILE
Ausführende: Philip Glass
Länge: 05:26 min
Label: Narada 7243 8 50294
