Seltene Erden

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Punkt eins

Weltweite Jagd nach Seltenen Erden

Chemische Elemente mit hohem politischem Gewicht. Gast: Dr. Holger Paulick, Geologe, GeoSphere Austria. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Das Erste, was man meistens über Seltene Erden hört: Sie sind weder selten noch Erden. Größere, wirtschaftlich interessante Lagerstätten sind allerdings tatsächlich eher dünn gesät. Dabei sind die 17 Elemente, die zu den Seltenerdmetallen gezählt werden - sie heißen Cer, Lanthan, Scandium, Lutetium oder Yttrium - kritische Rohstoffe für so gut wie alle Bereiche der modernen Industriegesellschaft. Sie finden sich in Mikrochips, Katalysatoren, Leuchtmitteln, Lacken, Elektromotoren, MRT-Geräten oder Windturbinen.

Die Versorgungssicherheit mit diesen Metallen zählt daher zu den "drängendsten geoökonomischen Themen" dieser Zeit, sagte der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil letzte Woche im Vorfeld eines Treffens mit seinen G7-Kolleg:innen in Washington. Der mögliche Aufbau einer Produktion in Europa war dort ebenso Thema wie Mindestpreise auf dem Weltmarkt. Zur gleichen Zeit machte sich ein japanisches Explorationsschiff auf den Weg in den Nordpazifik, wo in 5000 Metern Tiefe Vorkommen von Seltenerdoxiden vermutet werden. Das Ziel ist in allen Fällen, die weltweite Abhängigkeit von China zu verringern. Das Land ist derzeit an der Spitze der Produktion, und in China dürften auch die meisten noch ungenutzten Reserven liegen. Was die chinesische Regierung auch als geopolitisches Druckmittel zu nutzen weiß: 2025 stellte China im Zollstreit mit den USA seine Exporte praktisch ein. Nach einer Einigung füllten viele Abnehmer:innen ihre Lagerbestände auf, um vorzusorgen. Der Weltmarkt "bleibt politisch getrieben", warnt das deutsche Finanzportal "wallstreet online" seine Leser:innen vor einem anhaltend hohen Investitionsrisiko.

Seltene Erden dürften auch ein wesentlicher Grund sein, warum Grönland derzeit so im Fokus der Weltpolitik steht. Rund 38,5 Millionen Tonnen an Seltenerdoxiden sollen auf der Insel vorhanden sein, ergab eine Studie des dänischen Geologischen Dienstes, an der der österreichische Forscher Holger Paulick beteiligt war. Ob und in welchem Umfang der Abbau möglich und lohnenswert wäre, ist allerdings noch fraglich.

Holger Paulick, Leiter der Abteilung Rohstoffgeologie und Geoenergie bei GeoSphere Austria, ist zu Gast bei Xaver Forthuber und spricht mit unseren Hörer:innen über die Eigenschaften von Seltenen Erden, was sie so interessant macht, wie die Lagerstätten beschaffen sind und wie man jetzt und in Zukunft an sie herankommen könnte. Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at.

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