György Gedeon Rohonczy, 1920

GEMEINFREI

Im Fokus - Religion und Ethik

Was bleibt in Erinnerung?

Aktuell im Fokus: Weiterhin Hoffnung auf Regime-Wechsel +++ Thema im Fokus: Was bleibt in Erinnerung? Der Genozid an Roma und Sinti in Österreich +++ Serie: Iconic - Die Bildercodes der Religionen +++ Moderation: Alexandra Mantler

Aktuell im Fokus: Weiterhin Hoffnung auf Regime-Wechsel

Die Zahl der Todesopfer bei den Protesten im Iran in den vergangenen Wochen ist schwer zu verifizieren, unter anderem auch deshalb, weil seit dem 8. Jänner das Internet auf Anordnung des Regimes blockiert wird. Die Zahlen variieren zwischen 5.000 und 30.000. Mittlerweile ist es der Bevölkerung gelungen, die Sperre des Internets teilweise zu umgehen. Exil-Iraner:innen hoffen darauf, dass das Regime diesmal infolge der Proteste fällt, doch ist diese Hoffnung bisher nach jeder Protestwelle zerschlagen worden. Manche in der Diaspora lebende Iraner:innen wünschen sich ein Eingreifen der USA, andere setzen ihre Hoffnungen in den Sohn des ehemaligen Schahs Reza Pahlavi, wieder andere lehnen beides ab und wollen eine echte Demokratie. Was jedoch alle eint, ist der Wunsch nach einem Ende der Diktatur des Mullah-Regimes. Nikolaus Hofer hat sich bei Exil-Iraner:innen umgehört.

Im Studio spricht Judith Fürst mit Ariane Sadjed vom Institut für Iranistik an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über die Hoffnungen der Iraner:innen, über Chancen auf Demokratie sowie über die Rolle der Religionsgemeinschaften und der Frauen in der gegenwärtigen Protestwelle im Iran.


Thema im Fokus: Was bleibt in Erinnerung? Der Genozid an Roma und Sinti in Österreich

Burgenland 1940: In Lackenbach wird auf einem ehemaligen Gutshof ein Lager errichtet. Die Nazis versammeln Romnja, Roma, Sintizze und Sinti zur Zwangsarbeit und um sie ins Ghetto Litzmannstadt zu deportieren. Von insgesamt 4000 Menschen überleben nur ein paar wenige Hundert das Lager Lackenbach. Mindestens 121 von ihnen mit der Hilfe von György Gedeon Rohonczy. Ein Baron, ein Gutsherr und ein Liebhaber der Roma-Musik. Er nutzt seine Kontakte in die Community und seinen Adelsstatus, um ganze Familien als Arbeiter:innen auf seinen Hof zu holen, um sie vor dem Tod zu bewahren.
Nicht nur heute, auch in den 1940er Jahren ist er damit für einige wenige ein Vorbild. Zwei seiner Bekannten tun es ihm gleich. Hilfe, die Romnja und Roma dringend brauchen können. Die Nazis verabschieden schon früh zahlreiche diskriminierende Gesetze gegen sie. Romnja und Roma dürfen in Österreich nach dem sogenannten "Anschluss" nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, wählen oder "Mischehen" mit Nicht-Roma eingehen. Kinder dürfen nicht mehr die Schule besuchen und Erwachsene dürfen per Gesetz schon ab 1938 zur Zwangsarbeit eingesetzt werden. Während Romnja, Roma, Sintizze und Sinti in Konzentrationslagern interniert waren, haben einige Gemeinden ihre Häuser und Unterkünfte abgerissen. Nach dem Krieg wurde einigen Überlebenden die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt. Es brauchte lange, bis sie vom österreichischen Staat als Opfer des NS-Regimes anerkannt wurden.
In Oberpullendorf ist für György Rohonczy im November 2025 ein Denkmal errichtet worden. Laut Initiator:innen ist es in Europa das erste Denkmal, mit dem einer Person gedacht wird, die Romnja, Roma, Sintizze oder Sinti vor der Ermordung der Nazis gerettet hat. Im Burgenland hat es lange gebraucht, bis Gemeinden sich dazu entschlossen haben, Denkmäler für die Opfer des Völkermordes zu initiieren oder zuzulassen. Der Genozid an Romnja, Roma und Sintizze und Sinti hat bis heute noch starke Auswirkungen auf die Volksgruppen. Vor allem auch weil ihre Kultur zu großen Teilen mündlich weitergetragen wurde. Mit den zehntausenden Romnja, Roma, Sintize und Sinti sind auch Wörter, Bräuche und ganze Familienstammbäume gestorben. "Im Fokus" geht der Frage nach, wie in Österreich mit diesem Verlust umgegangen wird und wer Verantwortung für die Erinnerungsarbeit daran übernimmt? Gestaltung: Amelie Sztatecsny


Serie: Iconic - Die Bildercodes der Religionen

Religion und Kunst oder auch Popkultur sind oft miteinander verwoben. "Im Fokus" geht diese Woche der Frage nach, welche Bedeutung der Davidstern hat. Denn der - auf Hebräisch - Magen David - ist mehr als nur ein religiöses Symbol. Er erzählt von Religion, Identität, und immer wieder auch von Verfolgungsgeschichte. Erstmals taucht er in Europa im 16. Jahrhundert als Symbol einer jüdischen Gemeinde auf. Lukas Wagner hat recherchiert.

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