Holocaust-Denkmal in Berlin: Denkmal für die ermordeten Juden Europas

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken für den Tag

Mehr als Erinnern

Gedanken zum Holocaust-Gedenktag von Pia Thomasberger, Vizepräsidentin der HÖR, Rom:nja-Aktivistin, studiert Pflege an der FH Campus Wien

Gedenken ist für mich mehr als das Erinnern an Vergangenes. Es ist eine bewusste Auseinandersetzung mit der Frage, was diese Geschichte heute mit uns zu tun hat. Wenn wir gedenken, dann halten wir inne - nicht aus Nostalgie, sondern aus Verantwortung.

Die Verbrechen des Nationalsozialismus, die Verfolgung und Ermordung von Millionen Menschen, liegen zeitlich weit zurück. Und doch zeigen aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, wie fragil Solidarität und Menschlichkeit sein können. Ausgrenzung, Rassismus und das Wegsehen gegenüber Unrecht sind keine Phänomene der Vergangenheit. Sie begegnen uns auch heute - oft leise, oft schleichend, manchmal verharmlost.

Gedenken bedeutet für mich daher, genau hinzusehen. Es fordert uns auf, nicht nur der Opfer zu gedenken, sondern auch zu reflektieren, welche Entscheidungen Menschen getroffen haben - und welche wir heute treffen. Die Geschichte lehrt uns, dass Unrecht nicht plötzlich beginnt, sondern wächst, wenn Menschen schweigen, sich anpassen oder wegsehen. Gerade deshalb ist es wichtig, auch jene sichtbar zu machen, die sich dem Unrecht widersetzt haben. Menschen, die nicht gefragt haben, ob ihr Handeln erlaubt oder bequem ist, sondern ob es richtig ist. Ihr Handeln zeigt, dass selbst unter extremen Bedingungen Handlungsspielräume existieren - und dass Menschlichkeit keine Frage der Umstände, sondern der Haltung ist.

Für mich heißt Gedenken, diese Haltung in die Gegenwart zu übersetzen. Es bedeutet, Diskriminierung zu benennen, wenn sie passiert. Es bedeutet, solidarisch zu sein mit jenen, die ausgegrenzt werden. Und es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen - nicht abstrakt, sondern im eigenen Umfeld. Gedenken endet nicht am Denkmal oder am Jahrestag. Es beginnt dort, wo wir bereit sind, aus der Geschichte Konsequenzen zu ziehen. Für unser Zusammenleben heute. Und für die Gesellschaft, die wir morgen sein wollen.

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Manuel de Falla 1876 - 1946
Album: GIPSY & LATIN AFFAIRS
Titel: La Vida breve - Tanz aus der gleichnamigen Oper / Bearbeitung für Violine und Gitarre
Das kurze Leben
Ausführende: Stringtango
Ausführender/Ausführende: Florian Wilscher
Ausführender/Ausführende: Martin Wesely
Länge: 03:54 min
Label: Stringtango 2812205

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