Schulgang, Spinde und Klassenzimmer

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Punkt eins

Letztes Mittel: Suspendiert! Und dann?

Ursachen und Maßnahmen bei Gewalt in der Schule. Gäste: Ulrike Moser, Leiterin der Abteilung Schulpsychologie und Schulärztlicher Dienst, Bildungsdirektion Steiermark & Patrick Himpsl, Sozialpädagoge. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Bei "Gefahr in Verzug" gelten Schulsuspendierungen als letztes Mittel. Wenn keine andere Maßnahme gewirkt hat und die Schule an ihre Grenzen geraten ist. Durch Kinder und Jugendliche, die Mitschüler:innen angreifen und herabwürdigen, Lehrpersonen bedrohen oder Schuleigentum zerstören. 2.187 mal wurden Kinder und Jugendliche im Schuljahr 2024/25 wegen Gewalt vom Unterricht ausgeschlossen. Ein Rekordhoch, heißt es auch in Berichten aus den Bundesländern. Im Vergleich dazu gab es im Schuljahr 2023/24 knapp über 2.000 Suspendierungen, vor der Covid-Pandemie noch 954.

Dieser Ausschluss auf Zeit dient dem Schutz der gefährdeten Personen und kann bis zu vier Wochen dauern. Kehren die Schüler:innen danach wieder zurück, geht es oft so weiter wie davor - bis womöglich die nächste Suspendierung folgt.

Ab dem kommenden Schuljahr soll es daher bundesweit eine verpflichtende Suspendierungsbegleitung geben. Kinder und Jugendliche werden diese Zeit nicht zuhause verbringen, sondern bis zu 20 Wochenstunden psychosozial und pädagogisch betreut sein, so der Plan der Regierung. Das Bildungsministerium spricht von einer "Reintegrationsmaßnahme", mittels derer die Zahl der Suspendierungen und Gewaltvorfälle reduziert werden soll. Bei Schulabbrüchen oder -ausschlüssen ab der neunten Schulstufe sollen außerdem verpflichtende "Perspektivengespräche" stattfinden. Übergangsbestimmungen gelten dabei ab 1. Februar. Die Erziehungsberechtigten werden laut Gesetz "zur Mitwirkung verpflichtet". Kommen sie dieser Aufgabe nicht nach, drohen Strafen bis zu 800 Euro.

"Das Konzept der Begleitung ist gut, aber es fehlen die Ressourcen", sagt der Sozialpädagoge Patrick Himpsl, der in einer Betreuungseinrichtung für Jugendliche arbeitet. Auch die Lehrergewerkschaft stimmt den Zielen und Maßnahmen des Gesetzes zu, weist aber auf offene Fragen hin, etwa ob es ausreichend Unterstützungspersonal gibt. Sozialpädagoge Himpsl spricht von einem Tropfen auf den heißen Stein. Es werden lediglich die Symptome bekämpft, aber nicht die Ursachen von Gewalt in der Schule. "Der Fehler liegt nicht beim Kind, denn es ist einem bestimmten System aufgewachsen", betont er.

"Schüler werden auffällig, weil es ihnen nicht gut geht", sagt die Klinische und Gesundheitspsychologin Ulrike Moser. Prävention sei das Um und Auf. Moser leitet die Abteilung Schulpsychologie und Schulärztlicher Dienst in der Bildungsdirektion Steiermark. Die Steiermark führte mit dem Schuljahr 2024/25 eine Suspendierungsbegleitung ein, die freiwillig in Anspruch genommen werden kann. Moser sieht darin einen guten Ansatz, auf dem man aufbauen könne. Für mehr reichen die wenigen Wochen Begleitung nicht, sagt sie: "Wir können die Schüler unterstützen und stabilisieren, aber für eine Verhaltensänderung braucht es Zeit."

Über die Ursachen von Gewalt in der Schule, notwendige Maßnahmen und Erfahrungen mit Schulsuspendierungen diskutieren Ulrike Moser und Patrick Himpsl als Gäste bei Marina Wetzlmaier.

Sind Kinder und Jugendliche heutzutage gewaltbereiter? Wie geht man mit ihnen um? Was kann die Schule tun? Wo liegt die Verantwortung der Eltern und was können wir als Gesellschaft tun? Warum versagen Hilfssysteme? Welche Maßnahmen wirken nachhaltig?

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Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Ethel Harraden
Titel: Mélodie (Version For Cello & Piano) (davon 18 Sek. unterlegt)
Ausführende: Ursula Erhart-Schwertmann And Elisabeth Aigner-Monarth
Länge: 02:16 min
Label: Gramola

Komponist/Komponistin: Amy Beach
Titel: Pieces, Op. 40 (Version For Cello & Piano): No. 2, Berceuse (davon 16 Sek. unterlegt)
Ausführende: Ursula Erhart-Schwertmann And Elisabeth Aigner-Monarth
Länge: 02:42 min
Label: Gramola

Komponist/Komponistin: Ingeborg Bronsart von Schellendorf
Titel: Elegie, Op. 14 (davon 41 Sek. unterlegt)
Ausführende: Ursula Erhart-Schwertmann And Elisabeth Aigner-Monarth
Länge: 04:40 min
Label: Gramola

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