Goldbarren in der Schweiz.

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Punkt eins

Gold- und Silberrally

Was die Rekordpreise der Edelmetalle verraten. Gast: Univ.-Prof. Dr. Jörg Borrmann, Institut für Finanzwirtschaft, Universität Wien. Moderation: Andreas Obrecht. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Am Montag hat der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) erstmals die Marke von 5.000 US-Dollar geknackt, am Mittwoch näherte sich der Preis erstmals der Marke von 5.400 US-Dollar. Auch die Feinunze Silber erreichte einen neuen Rekord mit 110 US-Dollar. Was verraten die Rekordpreise für Gold und Silber über die geopolitische und geoökonomische Lage, über die Finanzmärkte und die staatlichen Währungsreserven und -politiken?

Zuletzt hatte es einen derart enormen Anstieg des Goldpreises in den 1970er Jahren gegeben: Der Jom-Kippur-Krieg, das arabische OPEC-Öl-Embargo gegen den Westen, der zweite Ölschock, ausgelöst durch die Iranische Revolution und andere Krisen ließen den Goldpreis sprichwörtlich durch die Decke gehen. Auch heute ist der Goldpreis, der letztes Jahr um 65% und seit Jahresbeginn um 18% gestiegen ist, ein Indikator für Krisen, Kriege, Unsicherheiten. Hinzu kommt eine erratische U.S.-amerikanische Handels-, Zoll- und Außenpolitik, die immer wieder Märkte verunsichert und Aktienkurse beeinträchtigt.

Der Preis für Silber ist im letzten Jahr um 150% gestiegen, auch deshalb, weil Silber für viele Bereiche industrieller Produktion unverzichtbar ist - etwa für Solaranlagen, E-Mobilität, Elektronik etc. - und sich aufgrund der hohen Nachfrage Engpässe ergeben.

Wie stellt sich der Zusammenhang zwischen Aktienkursen, Anleihen und Goldpreis dar? Kann der strategische Goldkauf von Notenbanken - China hat in Folge 14 Monate lang die Goldbestände signifikant erhöht - die Schwäche des US-Dollar ausgleichen? Wird eine weitere mögliche US-Zinssenkung, die von Trump angestrebt wird, und damit eine weitere Schwächung des Dollars den Goldpreis noch stärker ankurbeln? Warum bedrohen einige Krisen und Konflikte die Aktienmärkte nicht und andere wiederum in einem hohen Ausmaß?

Medial wird kolportiert, dass Investoren und strategische Anleger sukzessive Vertrauen in die US-amerikanische Geldpolitik verlieren. Nicht nur aufgrund der ständig angedrohten Zölle, sondern auch aufgrund des Angriffs von Donald Trump auf den Chef der US-amerikanischen Notenbank FED, Jerome Powell, und die bislang eher besonnene Zinspolitik. Erst diesen Mittwoch hat Powell eine weitere Zinssenkung vorerst ausgesetzt. Es besteht dennoch die Befürchtung, dass rational-berechenbare Geldpolitik emotional-erratischen Interventionen Platz macht - insbesondere, wenn der Notenbankchef im kommenden Mai aus seinem Dienst ausscheidet. Zudem führen geopolitische Unsicherheiten, mögliche neue Konfliktherde und Kriege zu diesen Preisrekorden, weil Gold bezüglich schwer einschätzbarer politischer Entwicklungen eine stabile Anlage zu sein scheint.

Das haben nicht nur institutionelle Investoren erkannt, auch die "kleinen Sparer" haben weltweit Gold als einigermaßen risikosichere Anlage entdeckt. Dabei ist es mitunter schwierig, Gold zu verkaufen, besonders dann, wenn dessen Herkunft nicht eindeutig belegt ist. Banken und Edelmetallhändler müssen Risikobewertungen vornehmen und die Bank hat nach gewerberechtlichen Geldwäschebestimmungen vorzugehen - bei Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung muss die Bank den Sachverhalt an das Innenministerium melden. Kleinere Banken müssen jeden Goldverkauf über 10.000 Euro an die Finanzmarktaufsicht melden. Die Risikoanalysen schmälern die Attraktivität des Goldbesitzes nicht, der Anteil von privaten Goldkäufern ist weltweit im Steigen begriffen.

Der Gold- und Silberrally, den enormen Preisesteigerungen der beiden Edelmetalle liegen komplexe ökonomische, geopolitische und auch gesellschaftspolitische Zusammenhänge zugrunde. Der Finanzwissenschaftler Jörg Borrmann erklärt als Gast von Andreas Obrecht was aus der Vergangenheit gelernt werden kann, von welchen Faktoren die gegenwärtigen enormen Preissteigerungen abhängen, was diese über den Zustand unserer Welt verraten und welche weiteren Entwicklungen möglicherweise zu erwarten sind.

Wie immer freut sich die Redaktion über Ihre Teilnahme an dem Gespräch unter 0800 22 69 79 während der Sendung oder unter punkteins(at)orf.at

Sendereihe

Gestaltung

  • Andreas Obrecht