Radiokolleg
Digital abgehängt (1)
Überleben im digitalen Alltag
2. Februar 2026, 09:05
Die Digitalisierung hat viele analoge Möglichkeiten verdrängt, vom Bezahlen bis zu Behördenwegen, und setzt damit voraus, dass alle Menschen Geräte bedienen, online navigieren und ständig neue Updates bewältigen können. Wo analoge Alternativen verschwinden, entsteht Ausgrenzung: nicht, weil Menschen "zu wenig können", sondern weil Systeme wenig Rücksicht darauf nehmen, dass Lebensrealitäten, Körper und Gewohnheiten unterschiedlich sind.
Die fortschreitende Digitalisierung verlangt ständige Anpassung. Apps ändern sich, Oberflächen werden neu gestaltet, Passwörter müssen komplexer sein, Behördenwege wandern ins Netz. Für viele Menschen ist das mehr, als sie leisten können. Die Folge: Überforderung, Rückzug, Ausschluss.
Besonders deutlich zeigt sich das bei älteren Generationen. Erfahrung, die früher Orientierung bot, verliert im digitalen Alltag an Wert. Was einmal gelernt wurde, gilt nur für kurze Zeit, bis die nächste Version kommt. Updates, neue Apps, wechselnde Bedienlogiken; die Digitalisierung zwingt Nutzer:innen, sich permanent anzupassen. Was heute mühsam gelernt wurde, ist morgen schon wieder anders.
In Österreich sind fast ein Viertel der über 65-Jährigen gar nicht online, bei den über 75-Jährigen ist es die Mehrheit. Und auch wer Zugang hat, kämpft mit der Geschwindigkeit, in der Routinen wieder entwertet werden.
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- Sarah Kriesche
