Radiokolleg
Digital abgehängt (3)
Die Last der Anpassung
4. Februar 2026, 09:05
Immer mehr Lebensbereiche setzen voraus, dass man online ist: Bankfilialen schließen, Fahrpläne werden per App abgerufen, Behördenwege verlangen digitale Identitäten. Für viele bedeutet das nicht Vereinfachung, sondern zusätzlichen Druck.
Laut Statistik Austria nutzten 2023 rund 79 % der 65- bis 74-Jährigen das Internet, aber nur 54 % der 75- bis 84-Jährigen. Damit bleibt fast die Hälfte dieser Altersgruppe ausgeschlossen. Besonders beim Zugang zu Behörden wird das spürbar: Wer keine ID Austria besitzt, stößt an Grenzen. Zwar sind analoge Wege noch möglich, sie werden aber schrittweise zurückgedrängt.
Auch im E-Government ist die Kluft groß. Während 76 % der 16- bis 74-Jährigen Online-Behördendienste nutzten, lag der Anteil bei den 75- bis 84-Jährigen 2023 bei nur 31,5 %. Fehlende Barrierefreiheit, komplizierte Navigationsstrukturen oder Fachterminologie machen digitale Angebote schwer zugänglich.
EU-weit bestätigt der "Digital Economy and Society Index" diesen Trend: Nur etwas mehr als 55 % der Menschen zwischen 16 und 74 verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen, in höheren Altersgruppen sinken die Werte deutlich.
Ein strukturelles Problem, da digitale Dienste längst nicht mehr als Zusatz gedacht sind, sondern zunehmend zur Pflicht werden. Wer den digitalen Zugang verliert, verliert auch Handlungsspielräume im Alltag, sei es beim Bezahlen, Reisen oder im Kontakt mit Behörden.
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- Sarah Kriesche
