U-Bahnstation "Diagonal" in Barcelona

ORF/ANTON REININGER

Diagonal

Diagonal Stellt vor. Das Magazin zum Monatsanfang

(Wiederholung von Samstag, 17.05 Uhr) +++ 30 Jahre Trainspotting +++ Kunstkloster, Neapel +++ Clownsmesse, London +++ DDR-Underground +++ Verbotene Bücher, Tallinn +++ Diagonals feiner Musiksalon

30 Jahre Trainspotting

Im Februar 1996 lief sie in den Kinos an, wurde ein internationaler Kassenschlager und bescherte dem Jungschauspieler Ewan McGregor eine Weltkarriere: Trainspotting, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irvine Welsh. Angesiedelt in der Peripherie der schottischen Hauptstadt Edinburgh, irgendwann in den späten 1980ern oder frühen 90ern, erzählt Trainspotting episodenhaft aus dem Leben einer Clique orientierungsloser junger Männer. Der Älteste ist ein hartgesottener Säufer und Kneipenschläger, die jüngeren maßgeblich mit Drogenbeschaffung, Konsum und Entzug beschäftigt. Rasant, surreal und unterhaltsam inszenierte Regisseur Danny Boyle den Stoff 1996 und erntete dafür nicht nur Applaus. Durfte man das real existierende Drogenelend Schottlands dermaßen klittern? Und wie sieht es heute damit aus? Gestaltung: Roman Tschiedl

Das Kunstkloster von Neapel

Porta Capuana in Neapel war immer schon eine Gegend mit gemischter Bevölkerung, ein Zuwandererviertel, heute auch Bahnhofsgegend. Hier ist die Stadt nicht Touristenkulisse, sondern Alltag, die Probleme offensichtlich - hohe Arbeitslosigkeit, wenig staatliche Präsenz, schlechte Bausubstanz. Mittendrin: das ehemalige Kloster Santa Maria a Formiello, wo seit 10 Jahren die "Fondazione Made in Cloister" versucht, internationale Kunst und lokales Handwerk, aber auch Spitzenköche und wohnungslose Mittagsgäste aus dem Viertel, Nachbarn und angereistes Kunstvolk zusammenzubringen. Einer der Paten des Projekts war Lou Reed, im Advisory Board sitzt unter anderem Laurie Anderson. Derzeit läuft eine Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe namens "Rinascita/Wiedergeburt" - davon erhofft man sich einen weiteren Impuls für eine inklusive Stadtentwicklung im Viertel. Gestaltung: Ines Mitterer

Clownsmesse für Joseph Grimaldi

Jeden ersten Sonntag im Februar organisiert die Vereinigung "Clowns International" in der All Saints Church im Osten Londons eine Festmesse, die dem modernen Ur-Clown Joseph Grimaldi gewidmet ist, ein Schauspieler und Artist, der um 1800 an verschiedenen Theatern in London wirkte. Beeinflusst von der italienischen Commedia dell'Arte etablierte Grimaldi das bis heute typische Makeup mit weißem Gesicht, roten Wangen und betonten Lippen. In Groß Britannien und Irland wurde sein Spitzname "Joey" zum Inbegriff des Clowns und er entwickelte einen halsbrecherischen Körperhumor der im 20. Jahrhundert noch bei Landsleuten wie Charlie Chaplin oder Peter Sellers nachwirkt. Die Clownsmesse zu Ehren Jospeh Grimaldis findet heuer zum 80. Mal statt. Gestaltung: Clemens Marschall

DDR-Underground. Der Expander des Fortschritts

Der Expander des Fortschritts (1986-1990) gilt als eine der wichtigsten Bands der DDR-Subkultur. Statt Marschmusik oder Schlager spielten die Ost-Berliner eine bunte Mischung aus Punk, Jazz und Pop, von ihnen selbst als "pop musique concrète" bezeichnet. Als Teil der sogenannten "Anderen Bands" war der Expander von Zensur und Bespitzelung betroffen und spielte trotzdem im DDR-Rundfunk und auf den Bühnen der "undemokratischen Republik". Andere Gruppen wie die DDR-Punklegende Namenlos hatten es schwerer, sie wurden für ihre systemkritischen Texte verhaftet. Eine Tour durch die Höhen, Tiefen und Widersprüche der Subkultur am Vorabend des Mauerfalls. Gestaltung: Fabian Lutz.

Das Museum der verbotenen Bücher

In einer Seitengasse im Norden der malerischen Altstadt von Tallinn, der Hauptstadt Estlands, liegt das "Keelatud Kirjanduse" oder "Banned Books Museum" - das Museum der verbotenen Bücher. Ein idealer Ort, strömen in der Hochsaison doch tausende Menschen aus aller Welt durch die alte Hansestadt im Rang eines UNESCO-Weltkulturerbes. Aus aller Welt stammen auch die Ausstellungsstücke der beständig wachsenden Sammlung beanstandeter, zensierter, verbotener, verbrannter oder anderweitig eingeschränkter Literatur. Der Eintritt ist frei, das Anfassen und Lesen der ausgestellten Bücher ist ausdrücklich erwünscht. Rund 500 Titel sind es aktuell. Das Privatmuseum feiert im kommenden Dezember seinen fünften Geburtstag. Gestaltung: Roman Tschiedl

Service

Irvine Welsh, "Trainspotting", Übersetzt von Peter Torberg, Heyne, 2013

Ray Bradbury, "Fahrenheit 451", Übersetzt von Peter Torberg, Diogenes, 2024

Fondazione Made in Cloister, Piazza Enrico de Nicola 48, Neapel, Italien

Clowns International

Charles Dickens (Ed.), "Clown Grimaldi", Übersetzt von Paul Heichen, Projekt Gutenberg Online

Der Expander des Fortschritts (Facebook)

Alexander Pehlemann (Hg.), "Warschauer Punk Pakt. Punk im Ostblock 1977-1989", Ventil, 2023

Ronald Galenza et al. (Hg.), "Magnetizdat DDR. Magnetbanduntergrund Ost 1979-1990", Verbrecher Verlag, 2023

Mario Lang, "Die «Anderen Bands» der DDR", Interview mit Ronald Galenza, Augustin, 2020

Keelatud Kirjanduse Muuseum - Banned Books Museum, Munga 2, Tallinn, Estland

Sendereihe