Zwischenruf

Weil gemeinsames Fasten verbinden kann

von Carla Amina Baghajati, Leiterin des Schulamtes der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Bewusster Verzicht und Besinnung auf das Wesentliche - Solidarität - Empathie - Rücksichtnahme - Spendenbereitschaft - Achtsamkeit - Geduld - Persönlichkeitsstärkung - Dankbarkeit - Erkennen, was erfülltes Leben ausmacht…

Wer sich bei diesen Stichworten an Werte erinnert, die zur nahenden Fastenzeit passen - genau damit sind sie auch bei mir verknüpft. Das Besondere in diesem Jahr: Aschermittwoch am 18. Februar und Ramadanbeginn am 19. Februar liegen fast zeitgleich. Eine gute Gelegenheit sich bewusst zu machen, dass die Fastenpraxis in den Religionen zwar verschieden sein mag - und es auch nicht-religiöse Menschen gibt, die phasenweise bewussten Verzicht üben. Die zuvor genannten Werte sind aber gemeinsame Werte.

Die Vielfalt sichtbarer Glaubenspraxis und damit verbundener Rituale in einer zunehmend pluralen Gesellschaft nehme ich gerne wahr. Dahinter stecken Traditionen mit oft tiefer Bedeutung, die Respekt verdienen. In der Begegnung und offen für damit verbundenen Dialog tauchen mitunter Fragen auf, die mich anstoßen, diesen Sinn noch mehr zu erschließen.

So ging es mir bei der Frage einer Nachbarin, ob es denn zum Auftakt des Ramadan eine besondere gemeinsame Zeremonie gebe und man sich vorher noch einmal so richtig austobe, ähnlich wie in den jetzigen Faschingstagen. Da merkte ich, wie rasch man ausgehend von eigenen Erfahrungen diese überträgt. Was nicht immer funktioniert! Vorbereitungen zum Ramadan gibt es auf Änderungen im Alltagsrhythmus - aber das sind kleinere, praktische Dinge. Datteln einkaufen, weil mit diesen gerne bei Sonnenuntergang das Fasten gebrochen wird. Oder vor dem Schlafengehen das Suhur herzurichten, die kleine Stärkung, die vor dem Beginn der Morgendämmerung und damit vor dem Fastenbeginn eingenommen wird.

Der Moment, der wirklich den Beginn des Fastens markiert, ist ein sehr stiller, geradezu intimer: das Fassen der Absicht dazu. Das ist etwas zwischen mir und Allah, zwischen mir und Gott. Die Niyyah, diese Absicht zu fassen, ist als Ritual vorgesehen. Und wie bei allen Ritualen lohnt es sich, den Sinn dahinter zu leben. Hierbei geht es um Selbstreflexion im Bemühen um Aufrichtigkeit. Denn soll das Fasten wirklich seine ganze Kraft und Bedeutung für mich entfalten, dann muss ich mir immer wieder klarmachen, mit welchem Ziel ich es angehe. Da geht es um Spiritualität, um Frieden zu finden in Gott und zugleich ums Frieden befördern mit den Menschen um mich. Wie der Prophet Muhammad sagte: "Wenn sich jemand nicht der Falschheit in Wort und Tat enthält, dann liegt Allah nichts daran, dass er sich des Essens und Trinkens enthält."

Im Ramadan ist Platz für Genuss und Lebensfreude. Abends beim Iftar treffen sich Familie und Freunde, denn das gemeinsame Fastenbrechen mit schmackhaften Spezialitäten ist unverzichtbar. Ich finde es sehr schön, dass Einladungen an Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen nicht nur auf offizieller Ebene ausgesprochen werden, sondern zunehmend auch privat. Dabei wird Ramadan gemeinsam mit anderen Fastentraditionen noch mehr zu etwas, was gerade heute so wichtig scheint: einem Faktor für sozialen Zusammenhalt.

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Yusef Lateef
Album: SPIRITUAL JAZZ 7 - ISLAM
Titel: Morning
Untertitel: Modal, Esoteric & Progressive Jazz Inspired By Islam 1957-1989
Ausführende: Yusef Lateef
Länge: 10:36 min
Label: Jazzman JMANCD092

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