BRANDSTÄTTER VERLAG/GIANMARIA GAVA
Punkt eins
"Feindbild Frau"
Welche Folgen digitale Gewalt und Hass im Netz gegen Politikerinnen für Demokratie und Meinungsbildung haben. Gast: Ingrid Brodning, Journalistin und Autorin, Expertin für Digitalisierung und Debattenkultur. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
18. Februar 2026, 13:00
Beleidigungen, Drohungen und Hasskommentare - Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind häufig mit Anfeindungen konfrontiert, allen voran in Sozialen Medien. Gerade politisch aktive Frauen und Politikerinnen sind von Online-Misogynie betroffen. Die Bandbreite der Anfeindungen reicht vom Infragestellen der Qualifikation bis zur Androhung von Gewalt: Politikerinnen werden als "intellektuelles Leichtgewicht" bezeichnet, hätten ihre Position "nur der Frauenquote zu verdanken", werden als hässlich beschimpft oder als besonders attraktiv hervorgehoben, "damit viele kleine Jungs ihre Stimme für sie abgeben."
Eine Umfrage der Interparlamentarischen Union unter 123 weiblichen Abgeordneten oder Mitarbeiterinnen in nationalen Parlamenten in der Europäischen Union zeigte bereits 2018, dass fast 60 Prozent der Befragten im Laufe ihrer Karriere von sexistischen Angriffen in den Sozialen Medien betroffen waren. Fast 50 Prozent wurde demnach schon einmal Vergewaltigung oder sonstige sexualisierter oder körperliche Gewalt angedroht.
Seit den Jahren der Pandemie hat sich die Situation verschlimmert: Laut der Frauenorganisation der Vereinten Nationen ist digitale Gewalt die am schnellsten wachsenden Gewaltform. Dazu zählt auch die Verbreitung von Falschmeldungen und Desinformation, die oft in der Sphäre von Verschwörungsmythen angesiedelt sind.
Ein Beispiel, das 2016 als "Pizza-Gate" bekannt wurde, betraf die US-Politikerin Hillary Clinton. Damals wurde in Sozialen Medien die diffamierende Falschmeldung verbreitet, Clinton gehöre einem Kinderpornoring an, der aus einer Pizzeria in Washington heraus agiere. Die Folge waren unzählige Hasskommentare und Hetze gegen die Politikerin.
Welche Folgen das für die Demokratie hat, analysiert die Autorin und Expertin für Digitalisierung und Debattenkultur Ingrid Brodnig in ihrem neuen Buch "Feindbild Frau". Aus Angst werden betroffene Politikerinnen bei umstrittenen Themen wie Geschlechtergleichstellung oder Klimawandel zurückhaltender bei öffentlichen Äußerungen.
Eine Untersuchung der Universität Basel zeigte etwa, dass Hasskommentare zu einer Karrierehürde für Jungpolitikerinnen werden - viele erleben die digitale Gewalt als Behinderung bei der politischen Arbeit, andere ziehen sich schon am Beginn einer politischen Karriere wieder aus der Öffentlichkeit zurück. Viele Frauen verstummen in Folge nicht nur in den Sozialen Medien, sondern auch in öffentlichen politischen Debatten - dafür gibt es mittlerweile zahlreiche Beispiele weltweit.
Welche Regeln braucht es, damit die Digitale Gewalt in Sozialen Medien zurückgeht? Was kann man tun, um Hass im Netz entgegenzuwirken? Und inwiefern ist Onlinefrauenfeindlichkeit in bestehende Strukturen der Benachteiligung und Unterdrückung eingebettet?
Über diese Fragen spricht Marlene Nowotny mit Ingrid Brodnig. Und mit Ihnen: Diskutieren Sie mit und rufen Sie in der Sendung an, kostenfrei aus ganz Österreich unter der Telefonnummer 0800 22 69 79 oder schreiben Sie uns per E-Mail an punkteins(at)orf.at
Service
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Das Buch "Feindbild Frau. Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden - und was wir alle dagegen tun können" von Ingrid Brodnig ist im Brandstätter Verlag erschienen.
