Ausgewählt
Das turbulente Musikjahr 1926
Zwischen Puccinis posthum uraufgeführter Oper Turandot und Schostakowitschs 1. Symphonie
2. März 2026, 10:05
Es scheint, als ob der römische Gott Janus Regie geführt hätte im Musikjahr 1926, Janus sieht bekanntlich simultan in die Vergangenheit und in die Zukunft. Gleich zu Beginn des Jahres dirigiert Richard Strauss an der Semper Oper die Uraufführung des Rosenkavalier, und zwar der ersten, noch stummen Verfilmung seiner Oper. Zur geplanten Filmtournee durch die Vereinigten Staaten mit Orchesterbegleitung ist es nie gekommen, denn dort wird bereits ein Jahr später der Tonfilm eingeführt.
Anfangs- und Endpunkte, Ouvertüren und große Finale liegen chronologisch eng beieinander 1926. Im Frühjahr findet die Uraufführung von Puccinis letzter, nicht mehr vollendeter Oper Turandot an der Mailänder Scala statt. Keine drei Wochen später in Leningrad feiert Schostakowitsch die Premiere seiner 1. Symphonie. Während in Wien in der Abenddämmerung der Operettenära Emmerich Kálmáns Zirkusprinzessin uraufgeführt wird, liegen Paris und Berlin der schwarzen, kaum bekleideten Josephine Baker zu Füßen und George Gershwin trifft Maurice Ravel.
Der tschechische Komponist Leo Janácek feiert 1926 gleich zwei bedeutsame Uraufführungen: Im Juni dirigiert Václav Talich in Prag die Weltpremiere seiner Sinfonietta, im Dezember wird in Brünn seine Oper Die Sache Makropulos erstmals aufgeführt. Für den Finnen Jean Sibelius markiert 1926 den letzten großen internationalen Auftritt als Komponist, als das New York Philharmonic unter Walter Damrosch seine symphonische Dichtung Tapiola Ende des Jahres aus der Taufe hebt.
