Ausgewählt

Das turbulente Musikjahr 1926

Zwischen Puccinis posthum uraufgeführter Oper „Turandot“ und Schostakowitschs 1. Symphonie

Es scheint, als ob der römische Gott Janus Regie geführt hätte im Musikjahr 1926, Janus sieht bekanntlich simultan in die Vergangenheit und in die Zukunft. Gleich zu Beginn des Jahres dirigiert Richard Strauss an der Semper Oper die Uraufführung des „Rosenkavalier“, und zwar der ersten, noch stummen Verfilmung seiner Oper. Zur geplanten Filmtournee durch die Vereinigten Staaten mit Orchesterbegleitung ist es nie gekommen, denn dort wird bereits ein Jahr später der Tonfilm eingeführt.

Anfangs- und Endpunkte, Ouvertüren und große Finale liegen chronologisch eng beieinander 1926. Im Frühjahr findet die Uraufführung von Puccinis letzter, nicht mehr vollendeter Oper „Turandot“ an der Mailänder Scala statt. Keine drei Wochen später in Leningrad feiert Schostakowitsch die Premiere seiner 1. Symphonie. Während in Wien in der Abenddämmerung der Operettenära Emmerich Kálmáns „Zirkusprinzessin“ uraufgeführt wird, liegen Paris und Berlin der schwarzen, kaum bekleideten Josephine Baker zu Füßen und George Gershwin trifft Maurice Ravel.

Der tschechische Komponist Leoš Janácek feiert 1926 gleich zwei bedeutsame Uraufführungen: Im Juni dirigiert Václav Talich in Prag die Weltpremiere seiner Sinfonietta, im Dezember wird in Brünn seine Oper „Die Sache Makropulos“ erstmals aufgeführt. Für den Finnen Jean Sibelius markiert 1926 den letzten großen internationalen Auftritt als Komponist, als das New York Philharmonic unter Walter Damrosch seine symphonische Dichtung „Tapiola“ Ende des Jahres aus der Taufe hebt.

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