Punkt eins
Eskalation im Nahen Osten
USA, Israel - Iran: Eine aktuelle Analyse der Ereignisse. Gast: Dr. Walter Posch, Landesverteidigungsakademie Wien. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
2. März 2026, 13:00
Die Zeichen standen seit Tagen auf Eskalation, die Lage im Konflikt der USA mit dem Iran hatte sich immer mehr zugespitzt. Samstagvormittag haben Israel und die USA mit Militärschlägen gegen iranische Städte begonnen. Einige Stunden später wurde der Tod von Ajatollah Ali Chamenei, des höchsten geistlichen Führers des Iran, gemeldet und in der Nacht auf Sonntag von Iran bestätigt.
"Wir werden ihre Raketen zerstören und ihre Raketenindustrie dem Boden gleichmachen", hatte Trump in einer Videoansprache über die US-Operation "Epische Wut" gesagt und Samstagvormittag bekanntgegeben, die USA hätten "große Kampfeinsätze" im Iran gestartet. Israel nennt die Operation "Brüllen des Löwen"; das Verteidigungsministerium sprach von einem "Präventivschlag".
Iran gab umgehend bekannt, Gegenschläge vorzubereiten und nahm am späteren Samstagvormittag mehrere Ziele am Persischen Golf unter Beschuss, griff nicht nur US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien und Katar an. Bei iranischen Raketenangriffen gegen Israel gab es im Laufe des Wochenendes mehrere Tote. Das Pentagon meldete drei tote und fünf schwer verletzte US-Soldaten bis Sonntagabend. Sonntag wurde Irans Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei einem Luftangriff getötet. Nach dem Tod Chameneis drohte Iran mit "Rache".
Viele Iranerinnen und Iraner versuchen nach wie vor, Teheran zu verlassen; das Internet im Iran ist laut Berichten nach wie vor de facto vollständig ausgeschaltet. US-Präsident Trump forderte die Bevölkerung im Iran auf, "ihre Freiheit zu ergreifen" und "ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen". UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk warnte vor wenigen Tagen, "ein Regimewechsel von außen hat sehr oft katastrophale Folgen".
Sonntagnachmittag kündigte US-Präsident Donald Trump an, mit der iranischen Führung Gespräche zu führen. Erst vergangene Woche war die dritte Runde der Atomgespräche in Genf zu Ende gegangen, für die erste Märzwoche waren Gespräche auf technischer Ebene in Wien geplant.
Der Iran-Experte Walter Posch von der Landesverteidigungsakademie sieht in der aktuellen Eskalation eine Fortsetzung bekannter Muster in dem Konflikt. Ein klassischer Bodenkrieg sei derzeit unwahrscheinlich, sagt er, und warnt vor einem Flächenbrand im Nahen Osten.
Steht die krisengeschüttelte Region nun tatsächlich vor einem neuen Krieg - oder hat er bereits begonnen? Wie geht es für die Menschen im Iran weiter und wie für das iranische Regime ohne seinen obersten Führer? Warum haben die USA jetzt angegriffen und nicht schon vor Wochen, als das iranische Regime so äußerst brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgegangen ist? Wie nachhaltig könnte ein Umsturz von außen sein und wie könnte er von statten gehen? Während zahlreiche Regierungen Krisenstäbe einberufen: Was kann die Internationale Gemeinschaft zu einer Deeskalation beitragen?
Im Gespräch mit Barbara Zeithammer analysiert Walter Posch die jüngsten Ereignisse und Entwicklungen im Nahen Osten. Sie können Ihre Fragen stellen: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
(Stand des Textes: Sonntag, 18:30 Uhr)
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Gestaltung
- Barbara Zeithammer
