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Punkt eins
Am Apparat!
150 Jahre telefonieren: vom Sprechtelegraphen zum Smartphone. Gäste: Lioba Nägele, Kustodin für Nachrichtentechnik, Museum für Kommunikation Frankfurt & Dr. Wolfgang Pensold, Kommunikationswissenschaftler und Kurator, Technisches Museum Wien. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
11. März 2026, 13:00
"Watson, kommen Sie her, ich möchte Sie sehen". Diesen Satz soll Alexander Graham Bell im ersten erfolgreichen Telefongespräch am 10. März 1876 gesagt haben. Über seinen "Sprechtelegraphen" rief er so seinen Assistenten Thomas Watson herbei. Ein paar Tage zuvor, am 7. März 1876, hatte Bell das Patent für das Telefon erhalten. Allerdings hatten mehrere Erfinder an ähnlichen Apparaten getüftelt. Etwa der deutsche Lehrer Johann Philipp Reis, auf den der Begriff "Telephon" zurückgeht. Aus seinen Versuchen wurde der Satz "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" berühmt. Diese Anfänge revolutionierten die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizierten, auch wenn sich das Telefon nur schrittweise im Alltag etablierte.
Erste Gespräche waren meistens in der Geschäftswelt angesiedelt, während Privatpersonen sich anfangs fragten, mit wem und worüber sie überhaupt sprechen sollten. Sprechanlässe mussten erst geschaffen werden. Eigene Geräte hatten zudem nur jene, die es sich leisten konnten. Viele nutzten öffentliche Sprechstellen, wo Beamtinnen, "Fräulein vom Amt" genannt, Telefongespräche vermittelten. Später wurde auf Selbstwählsysteme umgestellt. Die letzte handvermittelte Zentrale befand sich in Karlstein an der Thaya in Niederösterreich, das 1972 an das vollautomatische Telefonnetz angeschlossen wurde. Zu telefonieren war durchaus herausfordernd. Die Nachfrage nach Neuanschlüssen war so groß, dass die zuständige Post mit dem Ausbau des Netzes kaum nachkam. Leitungen waren dadurch oft stundenlang besetzt. Viele Haushalte teilten sich Anschlüsse in Form von Halb- oder Vierteltelefonen. Auch da hieß es warten, wenn andere Teilnehmer:innen lange telefonierten und so die Leitung blockierten.
Die Zeit der Vieltelefonierer:innen scheint jedoch vorbei zu sein. Die Menschen rufen einander immer weniger an, sei es über das Festnetz oder mit dem Handy. Stattdessen wird über Messengerdienste auf dem Smartphone mehr geschrieben. Gerade junge Menschen schicken einander lieber Text- oder Sprachnachrichten. Lioba Nägele vom Museum für Kommunikation in Frankfurt spricht von einer "neuen Furcht vor dem Telefon". Die jungen Generationen sind in Bezug auf die Mediennutzung anders sozialisiert als jene vor ihnen. Laut Studien kann das Telefonieren aber generationenübergreifend als unangenehm empfunden werden.
Wer telefoniert heutzutage noch und wofür? Wie veränderte die Erfindung des Telefons unsere Art zu kommunizieren und wie entwickelt sie sich weiter? Welche technischen Innovationen gab es im Laufe der Zeit und wie gingen die Menschen damit um? Darüber spricht Marina Wetzlmaier mit Lioba Nägele, Kustodin für Nachrichtentechnik am Museum für Kommunikation Frankfurt und Wolfgang Pensold, Kommunikationswissenschaftler und Kurator am Technischen Museum Wien.
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